08.01.2018 / Artikel / Gesundheit / Pflegeversicherung, Alter, Altersvorsorge, Altersvorsorge 2020

Falscher Anreiz führt zu teuren Pflegefällen

Die CVP 60 + hat in ihre kantonalen Vereinigungen zur Vernehmlassung über eine Pflegeversicherung aufgerufen. In einer Resolution hat der Vorstand Fraktion und Partei aufgefordert, verschiedene Varianten einer Pflegeversicherung in die politische Agenda aufzunehmen. Der folgende Beitrag zeigt am Beispiel der Stellungnahme der Solothurner CVP 60 plus wie falsche Anreize zu höheren Kosten führen.

Mit steigendem Alter wird die zunehmende Abhängigkeit von der Hilfe Dritter eine Realität, mit der sich die Mehrheit der älteren Bevölkerung konfrontiert sieht. Trotzdem ist das Bedürfnis, so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in einer eigenen (Alters)-Wohnung oder in einer Seniorenresidenz zu führen, bei älteren Menschen immer stärker geworden. So wünschen SeniorInnen immer mehr möglichst lange in den eigenen Wohnungen zu bleiben. Dies hat gute Gründe: Eine eigene Wohnung und das Quartierleben in der unmittelbaren Nachbarschaft sind zentrale Bestandteile der Identität vieler Menschen, ganz besonders älterer.

Der Verbleib in den eigenen vier Wänden im fortgeschrittenen Alter hat darüber hinaus soziale und gesundheitliche Vorteile. Die Vernetzung im Quartier oder in einer Seniorenresidenz fördert die soziale Gesundheit und körperliche Kompetenzen werden eher stabilisiert, wenn sie im Alter so oft wie möglich eingesetzt werden und nur dort Hilfe in Anspruch genommen wird, wo es wirklich notwendig ist. Ein Umzug in ein Pflegeheim ist angesichts der Angebotspalette der heutigen ambulanten Pflege tatsächlich nur selten nötig und noch seltener von Betroffenen erwünscht, denn: sich im hohen Alter in einem Pflegheim neu einzurichten, ist ein psychischer Kraftakt, der nur wenigen gelingt.

Die Gesundheitspflege wird folglich zunehmend von der stationären in die ambulante Behandlung verlagert. Trotzdem sieht sich eine Vielzahl älterer Menschen gezwungen, aus ihrer Wohnung auszuziehen und gegen ihren Willen den permanenten Platz im Pflegeheim einzunehmen.

Betreutes Wohnen auch für weniger Vermögende

Ein Patient mit erhöhter Pflegebedürftigkeit steht in einem Interessenkonflikt zwischen den Kostenträgern des heutigen Leistungsabrechnungssystems. Für die Pflegekosten, die in einem ambulanten Setting oder in einer stationären Einrichtung anfallen, müssen erstens die Bewohner selbst, zweitens die Krankenkassen und drittens die öffentliche Hand aufkommen. Die Kosten sind jedoch je nach Leistungsart (stationär contra ambulant) unterschiedlich auf diese drei Kostenträger verteilt. Ambulant erbrachte Pflegeleistungen sind Im Interesse der öffentlichen Hand und der Betroffenen da sie nicht nur die erwähnten Vorteile mit sich bringen, sondern auch anteilmässig günstiger ausfallen.

Der Umzug einer betagten Person in ein Pflegeheim ist einzig im finanziellen Interesse der Krankenkasse, welche in stationären Settings im Vergleich zur ambulanten Pflege nur halb so viel berappen muss – für den Rest kommen die öffentliche Hand und die BewohnerInnen selbst auf. Wer sich betreutes Wohnen nicht leisten kann ist heute gezwungen, ins teure Pflegeheim zu ziehen, dafür gibt es Geld vom Staat. Das zentrale Kriterium für den Verbleib in der eigenen Wohnung sollte sein, ob der Alltag mit entsprechender Hilfe von der Person zu bewältigen ist. Die Anreize müssen neu auf die Bedürfnisse der Patienten ausgerichtet werden, damit erzwungene unnötige Unterkunftswechsel in Zukunft nicht mehr möglich sind. Hier gilt es, politisch zu handeln.

Die öffentliche Hand würde auch profitieren

Gut möglich, dass sich demnächst das Parlament im Rahmen der Revision der Ergänzungsleistungen auch mit dem betreuten Wohnen beschäftigen muss. Wünschenswert wäre, dass der „Zwang“ zu ungerechtfertigten Pflegeheimaufenthalten für EL-Bezüger aufgehoben und, dass bei den Ergänzungsleistungen eine dritte Kategorie geschaffen würde, die das Modell des betreuten Wohnens auch für weniger Vermögende zugänglich macht. Tatsache ist, dass die öffentliche Hand massiv sparen könnte.

Verschiedene Kantone (St. Gallen, Graubünden etc.) unterstützen bereits das betreute Wohnen. Beide übernehmen einen Teil der Kosten dieser betreuten Wohnformen.

Josef Zimmermann und Peter Henzi, CVP 60 + Solothurn

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