14.07.2020 Artikel Familie Sozialwerke Nachhaltige Wirtschaft Vaterschaftsurlaub

Ein wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

CVP-Nationalrätin Priska Wismer-Felder unterstützt den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub.

Stellen Sie sich vor, Sie ziehen in eine neue Wohnung. Dafür erhalten Sie einen Tag frei – nicht für Ferien, sondern um all ihre Sachen von A nach B zu bringen. Das ist angemessen und im Gesetz so verankert.

Stellen Sie sich vor, sie werden Vater und erhalten dafür ebenfalls einen Tag frei – nicht, um die Beine hochzulagern, sondern um Ihre Partnerin während der Geburt zu unterstützen, gemeinsam mit ihr die ersten wertvollen Stunden im Leben des Neugeborenen zu erleben, zum ersten Mal Ihr Kind zu wickeln und als Familie neu zusammen zu wachsen. Dieser arbeitsfreie Tag ist auch so im Gesetz verankert, nur: Reicht das? 

Ich bin klar der Meinung: nein! Ein einziger Tag frei ist ein Hohn und wird dem einmaligen Ereignis einer Geburt in keiner Weise gerecht. Es muss festgestellt werden, dass die Schweiz in Bezug auf den Vaterschaftsurlaub ein Entwicklungsland ist. Es gibt in Europa fast kein anderes Land, das keinen Vaterschaftsurlaub oder zumindest einen Elternurlaub eingeführt hat. Dies im Wissen, dass die ersten Lebenswochen entscheidend, prägend und einzigartig sind. 

Ein Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen steht für eine angemessene Familienpolitik und ist ein wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Er ist gewinnbringend für die Vater-Kind-Beziehung, entlastet die junge Familie in der Zeit unmittelbar nach der Geburt und führt auch längerfristig zu einer ausgeglicheneren Aufteilung der Betreuungs- und Einkommensarbeit. Die Kosten, welche dabei entstehen, werden durch die Erwerbsersatzordnung (EO) finanziert. Der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub soll flexibel bezogen werden können, sei es am Stück oder tageweise, verteilt auf die ersten sechs Lebensmonate des Neugeborenen. Mit diesem Modell lassen sich gute Lösungen mit den Arbeitgebern finden. 

Dieser Gegenvorschlag zur Initiative ist eine Konsenslösung, welche für die Wirtschaft absolut tragbar ist und vor allem unseren Familien zu Gute kommt.

Erschienen in der Luzerner Zeitung am 14. Juli 2020.