23.08.2018 / Artikel / Gesundheit / Pflegeversicherung

In puncto… Pflegeversicherung

Die Menschen in der Schweiz werden erfreulicherweise immer älter. Weniger erfreulich ist, dass die Versorgung von pflegebedürftigen älteren Menschen mit dieser Entwicklung nicht Schritt hält. Die Finanzierung und die Qualität sind immer weniger sicher.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig, wie ein Artikel am 13. August in der NZZ aufzeigte. Wie öfters im Gesundheitssystem haben wir auch bei der Pflege falsche Anreize. Während die Krankenkassen unverändert einen fixen Betrag zahlen können pro Tag, ohne das die Kostensteigerung ein Thema wäre, werden die steigenden Mehrkosten auf den Staat, also die Steuerzahlenden überwälzt. Das bringt manche Gemeinden und Kantone  in Schwierigkeiten.

Eigentlich ist es paradox. Für viele weniger wahrscheinliche Fälle kann man sich versichern lassen. Aber für den mit der höheren Lebenserwartung immer wahrscheinlicheren Fall, der dann auch besonders kostenintensiv wird, nämlich dass ein Mensch im Alter Pflege braucht, genau für diesen Fall gibt es keine Versicherung.

Die Vereinigung CVP 60plus Schweiz forderte denn auch zu Recht schon im 2014 (!) die Einführung einer Pflegeversicherung. In der NZZ war ein interessanter Ansatz von avenir suisse zu lesen, wie eine solche Versicherung ausgestaltet werden könnte:

„Eine gerechte und praktikable Lösung ist jedoch bereits skizziert: die Pflegeversicherung. Diese könnte so aussehen, dass alle Bürgerinnen und Bürger ab dem 55. Geburtstag monatlich rund 250 Franken auf ein obligatorisches, steuerbefreites Pflegekonto einzahlen. Tritt die Pflegebedürftigkeit 25 oder 30 Jahre später ein, ist genug Geld vorhanden, um zumindest einen Teil der Kosten zu decken. Ein solches Modell, wie es Avenir Suisse vorschlägt, entlastet Kantone, Gemeinden und Krankenkassen. Dass die Gelder auf dem Konto vererbbar sind, belohnt jene Angehörigen, die den Partner oder die Mutter lieber selber pflegen, als sie in ein Heim zu geben. Gleichzeitig hätte die Pflegeversicherung das Potenzial, eine Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen: Sie würde auch die Kosten der Betreuung durch die Spitex oder im Pflegeheim abdecken. Diese sind gerade bei den immer häufiger auftretenden Demenzerkrankungen ruinös hoch, aber die Betroffenen  müssen sie grösstenteils selber tragen – von der Krankenkasse gibt es dafür nichts, vom Staat unter Umständen immerhin eine Hilflosenentschädigung.“ (NZZ 13.8.2018)

Ich finde diesen Ansatz interessant. Es kann nicht sein, dass ein längeres Leben in die Verarmung führt. Die Schweiz braucht eine Pflegeversicherung. Der berechtigte Anspruch auf eine gute und würdevolle Betreuung im Alter gebieten dies. Die CVP setzt den Menschen ins Zentrum und wird sich für diesen wichtigen Schritt einsetzen.