12.04.2018 / Artikel / Sozialwerke / inpuncto, Altersvorsorge

In puncto…Zweite Säule

Diese Woche teilte der Versicherungskonzern AXA Winterthur mit, dass das Unternehmen für die berufliche Vorsorge keine Vollversicherungen mehr anbieten und aus dem Vollversicherungsgeschäft aussteigen werde.

Das heisst konkret: Auf ca. 400‘000 Versicherte in etwa 40'000 kleinen und mittelgrossen Betrieben (KMU) kommen grössere Risiken bei ihren Pensionskassen zu, indem sie zukünftig selbst für Unterdeckungen aufkommen müssen. Die Vollversicherungsmodelle sind gerade für KMU eine sinnvolle Lösung, weil die Beiträge für die zweite Säule immer garantiert sind.

Man kann es sich jetzt leicht machen und sagen, dass der grosse Konzern die armen KMU’s im Regen stehen lasse. Man kann aber auch genauer hinsehen und erkennen, dass schon länger Vollversicherungen für die anbietenden Unternehmen keine wirklich attraktive Option mehr sind. Denn die zweite Säule hat nach wie vor das Problem, dass der Umwandlungssatz viel zu hoch ist, angesichts der auf den Märkten zu erzielenden und möglichen Renditen.

Die CVP hat sich auch deshalb stark für die Sanierung der zweiten Säule eingesetzt, im Rahmen der Vorlage Altersvorsorge 2020. Nach der Ablehnung durch das Volk hat Bundesrat Berset die Sozialpartner beauftragt, eine Lösung für die zweite Säule auszuhandeln. Er gibt ihnen Zeit bis Ende dieses Jahres. Ich habe erhebliche Zweifel, ob die Gewerkschaften und die Arbeitgeber sich finden werden. Den Linken war und ist die zweite Säule ein Dorn im Auge. Sie haben kein vitales Interesse an einer echten Sanierung. Die Arbeitgeber haben mit ihrem Widerstand gegen die Altersvorsorge 2020 selbst dafür gesorgt, dass die zweite Säule weiterhin in grossen Schwierigkeiten steckt, indem eine massive Umverteilung von den jungen Generationen zu den Älteren jahrelang andauerte und andauern wird.

Deshalb hat die CVP verlangt, dass die neue Vorlage zur Sicherung der Altersvorsorge zwar die erste und zweite Säule getrennt behandeln muss, wie es das Volk wollte. Aber dass man auch die Sanierung der zweiten Säule gleichzeitig mit der AHV Sicherung wieder aufnehmen soll. Denn wer die zweite Säule erst später stärken will, der riskiert, dass weitere KMU’s den Weg gehen müssen, auf den jetzt die AXA ihre Firmenkunden schickt. Weil andere Versicherer dem Beispiel der AXA folgen könnten. Es wäre ihnen nicht zu verdenken.

Dieser Fall zeigt einmal mehr, wie kurzsichtig der Widerstand gegen die Altersvorsorge 2020 gerade der Kreise war, die angeblich die Interessen der KMU’s und der Patrons dieser Unternehmen vertreten wollen. Es ist halt immer leichter, etwas nicht Perfektes heftig zu kritisieren, als es selbst besser zu machen. Vor allem schnell besser zu machen. Die CVP ist – obwohl Abstimmungsverliererin – die einzige und erste Partei, die Eckpunkte einer neuen Reform vorgeschlagen hat. Die Abstimmungssieger, die mit einem phantomhaften Plan B argumentierten, der absolut locker umzusetzen sei, sind immer noch daran, einen Plan zu suchen. Den Schaden haben in der zweiten Säule unter anderen die KMU. Vielleicht denken deren Patrons mal daran, wer wirklich ihre Interessen vertritt.