02.02.2018 / Artikel / Die CVP / in puncto, Schneesport, Schule

in puncto…Schneesportlager

Das Bundesgericht entschied letzten Dezember, dass "alle notwendigen und unmittelbar dem Unterrichtszweck der Grundschule dienenden Mittel unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden müssen. Dazu gehören auch Aufwendungen für Exkursionen und Lager, sofern eine Pflicht zur Teilnahme besteht. Eltern dürfen dafür nur diejenigen Kosten in Rechnung gestellt werden, die sie aufgrund der Abwesenheit der Kinder einsparen. In Frage kommen dabei einzig die Verpflegungskosten, da die Eltern die Unterkunft der Kinder auch bei deren Abwesenheit bereithalten müssen." (Medienmitteilung des Bundesgerichts vom 7.12.17)

Konkret heisst das, Eltern müssen nur noch 10 bis maximal 16 Franken pro Tag bezahlen. Dass Schneesportlager etwas mehr kosten, wissen alle.

Das Bundesgericht behandelte das Begehren von Eltern aus dem Kanton Thurgau, die sich dagegen wehrten, dass sie für Pflichtveranstaltungen wie Skilager oder auch zusätzliche Deutschkurse bezahlen müssten. Begründet wird der Entscheid mit Artikel 19 der Bundesverfassung, der die Unentgeltlichkeit des Grundunterrichts garantiert.

Der Entscheid ist selbstverständlich zu akzeptieren. Aber die Folgen wohl auch. Schneesportlager sind in jedem Fall keine billige Veranstaltung. Viele Gemeinden werden entscheiden müssen, ob sie selbst mehr bezahlen oder den Kanton fragen wollen. Die Kantone werden wohl kaum euphorisch auf solche Begehren reagieren. Die Lehrerschaft, die solche Lager organisiert und durchführt, wird nicht gerade motiviert, dieses zusätzliche Engagement weiter zu leisten.

Schneesportlager werden stärker unter Druck kommen. Obwohl sie in den letzten Jahren wieder beliebter wurden. Die Schulgemeinden könnten solche Anlässe freiwillig anbieten. Damit ginge wieder ein Stück Integrations- und Bildungsleistung der Schulen verloren. In Skilager „lernt“ man eben auch etwas, abgesehen vom Erlebnis, das Schweizer Schulen und die Lehrpersonen hier bieten: Gemeinschaftssinn, Teamgeist, sportliche Betätigung. Alles Qualitäten, die eben auch zum Bildungsangebot der Schweizer Schulen gehören. Die auch ein Grund sind, warum die Schweizer Schulen international zu den besten gehören. Natürlich ist der gute Unterricht das wichtigste. Aber „nur“ guter Unterricht ist nicht gut genug.

Es ist bedauerlich, dass das Bundesgericht über solche operativen schulischen Fragen entscheiden musste, dass mit den Eltern vorher keine pragmatische Lösung gefunden werden konnte. Jede Schulgemeinde findet doch pragmatisch soziale Lösungen, wenn die Kosten für das Skilager für gewisse Eltern ein Problem darstellen. Für eine Mehrheit der Eltern sind die Kosten für ein Skilager wohl tragbar, und sie sind gern bereit, ihren Kindern die Erlebnisse zu ermöglichen, die sie vielleicht selbst als Schüler/-innen erleben durften – weil ihre Eltern auch etwas daran zahlten. Der Gang bis zum Bundesgericht erschwert unbürokratische soziale Lösungen. Es ist ein kleiner Schritt weiter zur Verrechtlichung der Schulen, auch zur Regulierung eines Bereichs, der ohne Regulierung funktionierte. Letztendlich wird eine einfache, sinnvolle und bewährte Integrationsleistung der Schule erschwert. Schade.