17.01.2018 / Artikel / Wirtschaft / inpuncto, WEF, UNO, Tourismus, USA

in puncto…WEF, Eitelkeiten, und Ironien der Geschichte

Um es gleich vorweg zu nehmen: ich war noch nie am WEF. Alles, was ich darüber schreibe, ist den Medien entnommen. Es kann sein, dass mir deshalb das WEF nicht so sympathisch ist.

Selbstverständlich anerkenne ich den wirtschaftlichen Nutzen dieser privaten Veranstaltung: Ausgebuchte Hotels, die Schweiz und Davos als Bühne für die sogenannten „Eliten“, „Leaders“ und „Adabeis“, wie sie der Wiener Schmäh so treffend nennt. Dass jeweils die Mehrheit unseres Bundesrats ebenfalls diese private Veranstaltung zu beehren müssen glaubt, habe ich nie ganz begriffen. Aber wenn‘s dem Lande tatsächlich nützt, sei’s drum. Davon geht die Schweiz nicht unter, wird aber auch kaum besser. Dass die Steuerzahlenden Jahr für Jahr immense Sicherheitskosten zu berappen haben, daran hat man sich gewöhnt, ebenso wie an diejenigen Gruppen, die rund um das WEF oder dessen Teilnehmer immer ein Motiv zu Gewaltausbrüchen finden, als Demonstrationen getarnt. Aber wofür gibt’s eigentlich noch die UNO, wenn man alles Wichtige mit allen Wichtigen der Welt in Davos viel intransparenter und effizienter regeln kann?

Wie jedes Jahr gibt’s auch in der Ausgabe 2018 einen Gast, der alle andern in den Schatten stellt. Wenn ich sehe, welche mediale Hysterie der Besuch des amerikanischen Präsidenten auslöst, dann frage ich mich schon, ob daneben noch Platz für anderes, Wesentlicheres bleiben wird. Denn die ganze mediale und öffentliche Aufmerksamkeit wird sich darauf richten, was Trump in Davos macht, sagt und twittert, und ob er die Schweiz mit ähnlich liebevollen Bezeichnungen beglücken wird, wie er sie afrikanischen Staaten kürzlich zukommen liess. Damit perpetuiert sich nur die Sicht auf Trump, die sich auf Äusserlichkeiten, Psychologie und seine Tweets fokussiert, und nicht auf das, was seine Regierung entscheidet und welche Politik sie macht.

Das WEF bietet ab und zu eine Bühne für historische Ironie. Beim letzten Treffen stand der chinesische Staatschef Xi Jinping im Fokus. Er pries den internationalen freien Handel. Und forderte den neu gewählten amerikanischen Präsidenten auf, seine protektionistischen Wahlversprechen nicht umzusetzen. Trump liess sich davon nicht beeindrucken, sondern begann seine wirtschaftspatriotische Politik. Wenn Karl Marx und Adam Smith im Himmel oder der Hölle vor dem Fernseher sitzen würden, müssten sie sich eigentlich glänzend über diese Konstellation amüsieren. Der mächtigste Kommunist der Welt fordert globalen Kapitalismus. Der mächtigste Kapitalist der Welt fordert die nationale Zähmung des Markts mit staatlichen Massnahmen. Und beide machen sie zu Hause auch das Gegenteil dessen, was sie öffentlich von der Welt fordern.

Die WEF Organisatoren liessen auch schon einmal durchblicken, dass ein Umzug nach New York oder anderswohin denkbar wäre, wenn ihnen Davos und die Schweiz nicht weiter die vorzüglichen Rahmenbedingungen bieten wollen oder können. Wir werden sehen. Eigentlich würde der Jahrmarkt der Eitelkeit, als der das WEF in den Medien präsentiert wird, auch besser dorthin passen. Viel von der schweizerischen Zurückhaltung, mit der Politik und Wirtschaft normalerweise bei uns auftreten, kann ich aus den Medien nicht erkennen. Aber vielleicht gibt’s den Geist von Davos halt nur dort, wo die Medien nicht hinkommen. Und wenn in diesem Geist auch etwas schweizerische Zurückhaltung vorhanden ist, dann hätte das WEF vielleicht auch einen Nutzen für die World, nicht nur für die Economics.