10.01.2018 / Artikel / Wirtschaft / inpuncto, soziale Marktwirtschaft, Wettbewerb, Import, Export

in puncto… Autofreiheit

Das Auto ist nach wie vor ein Symbol für Unabhängigkeit und Freiheit. Mindestens sehen das in Deutschland und Frankreich 57 Prozent der Menschen so, gemäss einer Umfrage des deutschen „Handelsblatts“. Ich hege die Vermutung, dass sich Deutschschweizer und Romands nicht von ihren Nachbarn wesentlich unterscheiden, von den Tessinern ganz zu schweigen. Man mag sich beim Autofahren frei fühlen. Beim Autokauf aber sind die Schweizer sicher nicht so frei, wie sie sein sollten in einem Land, das seinen Wohlstand auch dem Wettbewerb und der sozialen Marktwirtschaft verdankt.

Jedenfalls sieht das der Verband freier Autohandel Schweiz (VFAS) so, der es wagt, sich mit einem globalen Giganten anzulegen, dem koreanischen Autohersteller Hyundai, indem er ihn bei der Wettbewerbskommission anzeigt.

Die freien Autoimporteure werfen den Koreanern vor, dass sie erstens die Garantie für parallel importierte Autos einschränken. Dass sie zweitens die Kunden verunsichern, indem sie behaupten, die freien Importeure hielten sich nicht an das Patentrecht. Und dass sie drittens die freien Importeure beschuldigen, diese würden gegen das Markenrecht verstossen.

Es geht durchaus um viel Geld. Für die Kunden, die schnell einmal 10‘000 Franken weniger zahlen, wenn sie einen Mittelklassewagen parallel importieren. Für die Autohersteller, die genau diese 10‘000 Franken lieber in ihrer Kasse sehen als bei den Schweizer Konsumenten. Sie möchten die Preise verlangen, die sie durchsetzen können, weniger die, welche die Autos wert sind. So ist es für die Autohersteller und den Verkaufspreis ihrer Modelle entscheidend, ob ihr Auto in der Schweiz herumfährt oder in Deutschland. Weil die Käufer für das gleiche Auto mehr zahlen sollen, wenn und weil sie Schweizer sind.

Hyundai ist besonders betroffen von Parallelimporten. 22 Prozent ihrer in der Schweiz herumfahrenden Automobile sind so gekauft worden, so viel wie bei keinem andern Hersteller. Bei BMW beispielsweise sind es nur knapp 2 Prozent. Aber auch das war den Bayern etwas wert. Sie wurden im Herbst 2017 von der Wettbewerbskommission und dem Bundesverwaltungsgericht wegen einer unzulässigen vertikalen Gebietsabrede zu einer Strafe von 157 Millionen Franken verdonnert. Die sie im Voraus schon bezahlten. So viel ist ihnen ihre Freiheit wert, die Freiheit der Schweizer Käufer einschränken zu dürfen. Ich bin gespannt, ob Hyundai günstiger weg kommen wird. Wenn überhaupt.

Wie sagte doch einmal der Entwicklungschef von BMW, Klaus Fröhlich: „Ohne Wahlfreiheit ist für uns Freude am Fahren nicht denkbar“. Recht hat er. Nur sollte das auch für Schweizer Kunden gelten, wenn sie sich die Freiheit nehmen, für ein Auto den Preis zu zahlen, den ihnen der Markt und der Wettbewerb offerieren. Und nicht den, den die Konzerne den Schweizern zumuten, weil diese in der Schweiz leben.