20.12.2017 / Artikel / Staatspolitik und Recht / Kirchenglocken, tradition, Kirche, Weihnachten, Lärm, inpuncto

in puncto… Kirchenglocken

Das Bundesgericht fällte im Advent einen vielleicht wegweisenden Entscheid. Es wies die Forderung eines Ehepaars aus Wädenswil ab, dass nachts die viertelstündlichen Glockenschläge der reformierten Kirche eingestellt werden sollen.

Das Bundesgericht hatte gemäss seiner Medienmitteilung abzuwägen zwischen dem Ruhebedürfnis und dem Interesse am Läuten der Glocken. Dabei äusserten die Richter Zweifel an der Einschätzung der Vorinstanzen, „ dass sich bei einem nächtlichen Verzicht auf den Viertelstundenschlag die vom Glockengeläut verursachten Aufwachreaktionen pro Nacht von knapp 2 auf rund 1,5 reduzieren würden (bei gekippten Fenstern).“. Und der nächtliche Glockenschlag sei in Wädenswil fest verwurzelt.

Der Glockenschlag ist aus meiner laienhaften theologischen Perspektive kaum ein christliches Kernpostulat. Genauso wenig wie ein Kirchturm. Aber das Schlagen der Glocke erfüllte zu einer Zeit, als die Menschen kaum eigene Uhren hatten, eine wichtige Alltagsfunktion. In diesem Sinne ist es heute nicht „nötig“, dass unsere Kirchtürme Uhren und Glocken haben, die läuten. Aber es gibt in jedem Kulturkreis Handlungen, Gegenstände und Rituale, die nicht nötig sind, sondern sinnvoll. Nicht alle, aber manche davon nennt man „Traditionen“.

In den letzten Jahren verstummten da und dort die Kirchenglocken. Dafür nahm die Anzahl von akustischen Attacken, beispielsweise von Laubbläsern, zu. Diese dröhnen vor allem im Herbst jeweils jedes fallende Blättchen erbarmungslos weg, das früher manchmal noch hoffen durfte, von einem gnädigeren normalen Besen verschont zu werden, und palliativmedizinisch etwas länger liegen bleiben zu dürfen. Das Bundesamt für Umwelt schreibt: Laubbläser erreichen einen Schallleistungspegel von bis zu 115 dB(A)! Ein Schalldruckpegel am Ohr von 100 dB(A) ist daher nicht unüblich und wird durch die SUVA als gefährlich eingestuft. (…) Für Laubbläser gelten zurzeit keine konkreten Grenzwerte.“

Wenn der Entscheid des Bundesgerichts dazu führt, dass wir wieder etwas mehr Kirchengeläut hören, oder mindestens nicht mehr weniger als jetzt, dann finde ich das begrüssenswert. Eine sinnvolle Tradition. Immerhin hört man dadurch vielleicht auch die Laubbläser weniger. Das wäre dann nicht nur sinnvoll, sondern auch nützlich.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern erholsame und ruhige Festtage – mit festlichem Glockenklang. Denn „süsser die Glocken nie klingen, als zu der Weihnachtsszeit.“ Erst Recht mit dem Segen der höchsten Schweizer Richter.