09.11.2017 / Artikel / Wirtschaft / in puncto

in puncto…Warum Ermotti recht hat

UBS Chef Sergio Ermotti, bekannt als Mann der klaren Worte, sagte kürzlich in einem Interview: «Ich bin Schweizer, ich will dass die UBS in der Schweiz bleibt. Aber nichts ist hundert Prozent sicher.»

Die Reaktionen liessen nicht auf sich warten, insbesondere die hämischen. Solche Töne stünden ihm nicht zu. Er habe wohl schon vergessen, dass man die UBS in der Finanzkrise mit Schweizer Steuergeldern gerettet habe. Er solle besser schweigen.  Dabei wies Ermotti nur darauf hin, dass die UBS eigentlich keine „Schweizer Bank“ mehr ist, sondern von ausländischen Investoren kontrolliert sei. Für diese gibt es erst recht keine patriotische Pflicht, den Sitz der UBS auf ewig in der Schweiz zu lassen.

Zweitens erwähnte Ermotti in einem andern Interview das Beispiel einer Schwedischen Grossbank, die ihren Sitz nach Finnland verlegte, weil Finnland im Gegensatz zu Schweden Mitglied der Europäischen Bankunion ist. Die Regulierung in Schweden wurde derart stark, dass Kosten in Milliardenhöhe auf diese Bank zugekommen wären. Nun ist sie gleich wie ihre europäischen Konkurrenten reguliert.

Aus meiner Sicht weist Ermotti auf zwei Handlungsfelder der Politik hin: Erstens machen wir uns zu wenig bewusst, dass grosse internationale Schweizer Firmen nur dann in der Welt bestehen können, wenn sie gegenüber ausländischem Kapital offen sind. Die Frage ist allerdings, ob die Schweiz nicht an gewissen Unternehmen strategische Interessen hat – oder haben sollte. Ebenso ist die Frage wichtig, mit welchen Absichten ausländische Investoren Schweizer Unternehmen kaufen oder sich eine beherrschende Rolle in diesen Unternehmen sichern wollen. Es ist ein Unterschied, ob man ein Unternehmen aushöhlen, aufteilen und zerlegen will, um dann die Einzelteile profitbringend zu verkaufen, oder ob man nachhaltig Arbeitsplätze erhalten will, und langfristige Strategieziele zum Wohle des Unternehmens in der Schweiz verfolgt. Darauf muss die Politik Antworten finden, bei Unternehmen, die für die Schweiz zentral und strategisch wichtig sind.

Zweitens kritisiert Ermotti zu Recht die Regulierung, mit der der Schweizer Finanzplatz zu kämpfen hat. Es darf nicht sein, dass die Politik oder die Regulierungsbehörden Schweizer Unternehmen so regulieren, dass ihnen international erhebliche Wettbewerbsnachteile entstehen. Natürlich will niemand mehr zurück in die Zustände, die zur Finanzkrise führten. Aber mittlerweile scheint man in der Schweiz zu extrem in die andere Richtung zu gehen. Wer von global tätigen – und erfolgreichen – Schweizer Unternehmen mehr verlangt, als ausländische Konkurrenten leisten müssen, zwingt sie letztendlich dazu, ihren Sitz – und die Arbeitsplätze – dorthin zu verlegen, wo sie gleich lange Spiesse haben wie die Konkurrenten.

Man beklagt ja öfters, dass Wirtschaftsvertreter sich politisch zu wenig äussern. Wenn aber dann einmal jemand wie Ermotti den Mut hat, auch Unbequemes an die Adresse der Politik zu sagen, sollte man ihn nicht deswegen kritisieren. Im Gegenteil. Dass Bankenmanager Fehler machten, heisst ja nicht, dass seither alles immer falsch ist, was Vertreter dieser Branche sagen. Solcher Hochmut steht gerade der Politik nicht gut an – denn auch sie ist nicht garantiert fehlerfrei. Denn Ermotti hat Recht: Regulierung soll Sicherheit schaffen, aber nicht Wettbewerbsnachteile für die Schweizer Wirtschaft produzieren. Regulierung soll zum Wohl der Schweizer Gesellschaft, der Wirtschaft und der Unternehmen geschehen, die von hier aus international wettbewerbsfähig sein müssen. Damit Arbeit und Wohlstand für alle hier erhalten bleiben.