26.04.2017 Artikel Bildung & Forschung Medienkompetenz, Medienkompetenzzentrum, Jugendmedienschutz, Medien, Social Media, Internetkriminalität

Kinder bei der Nutzung von Medien besser schützen

Kinder und Jugendliche verbringen täglich viele Stunden vor dem Bildschirmen. Der aktuelle schweizerische Kinder- und Jugendmedienschutz ist lückenhaft und muss zwischen Privaten und Wirtschaft, dem Bund und den Kantonen besser koordiniert werden. Inhaltlich steht der Persönlichkeits- und Datenschutz von Kindern bei der Nutzung der digitalen Medien im Vordergrund. Mein Vorstoss fordert darum ein nationales Medienkompetenzzentrum.

Meine parlamentarische Initiative basiert auf dem bundesrätlichen Bericht zur Ausgestaltung des Kinder- und Jugendmedienschutzes vom Mai 2015, welcher die Erkenntnisse des nationalen Programms "Jugend und Medien" aufnimmt. Die Studie kommt zum Schluss, dass der bestehende Kinder- und Jugendmedienschutz lückenhaft und stark fragmentiert ist. Es braucht deshalb weitere Massnahmen sowohl in der Gesetzgebung als auch bei der Erziehung. Im bundesrätlichen Bericht wird denn auch die Schaffung einer nationalen Stelle für den Kinder- und Jugendmedienschutz zur Koordination und Abstimmung der kantonalen und nationalen Regulierungsmassnahmen empfohlen.

Schutz des Kindes beim Surfen im Internet

Im Fokus stehen der Persönlichkeits- und Datenschutz von Kindern bei der Nutzung von Social Media-Plattformen wie beispielsweise facebook, die Sicherstellung eines altersgerechten Zugangs zu Filmen und Computerspielen, Zugangsbeschränkungen für On Demand-TV-Angebote oder der Schutz von Kindern beim Surfen im Internet, das aufgrund von Smartphones heute weitgehend ohne Aufsicht von Erziehungsberechtigten geschieht.

Projekte müssen besser koordiniert und überprüft werden

Auch bei der Förderung der Medienkompetenz hat sich gezeigt, dass noch viel mehr zu unternehmen ist. Die kantonalen und privaten Aktivitäten im Kinder- und Jugendmedienschutz im schulischen und ausserschulischen Bereich müssen besser koordiniert werden. Ein Monitoring und eine Erfolgskontrolle der Projekte sind notwendig. Der Bundesrat selber anerkennt den Handlungsbedarf und bestätigt, dassdie Zusammenarbeit der bereits heute betroffenen Bundesstellen weiterentwickelt und institutionalisiert werden könnte“.

Kein Zugang zu nicht altersgerechten Inhalten

Das ist richtig, genügt aber angesichts der mehrdimensionalen Herausforderungen nicht. Die heutige Organisation mit einer Verwaltungsstelle für Kinder- und Jugendfragen im Bundesamt für Sozialversicherungen wird den Anforderungen allein kaum gerecht werden können. Sie muss verstärkt werden, damit die geleistete gute Vorarbeit nicht versandet. Der Bundesrat bestätigt, dass Kinder und Jugendliche befähigt werden sollen, Medien auf eine sichere, altersgerechte und verantwortungsvolle Weise zu nutzen. Kinder sollen vor generell verbotenen sowie nicht altersgerechten Inhalten und intransparenter Bearbeitung ihrer persönlichen Daten geschützt werden.

Kinder verbringen Grossteil ihrer Freizeit an Bildschirmen

Für eine effiziente und wirksame Ausgestaltung des Kinder- und Jugendmedienschutzes ist die Einbindung der Kantone, der Wirtschaft und privater Institutionen erforderlich. Eine starke Führungsrolle des Bundes und die nationale Koordination sind dabei unerlässlich. Wie wichtig dies ist, zeigt die letzte von Sucht Schweiz publizierte Umfrage. Danach verbringen Jugendliche in der Schweiz einen grossen Teil ihrer Freizeit an einem Bildschirm:  Die 11- bis 15-Jährigen nutzen an einem Wochentag ausserhalb der Schule im Schnitt während 4,4 Stunden Computer, Tablet oder Smartphone oder schauen fern. An Wochenende sind es sogar 7,4 Stunden pro Tag. Diese Zahlen zeigen klar und deutlich, wie wichtig das Erlernen der Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche ist.

Ich bin mir bewusst, dass auch mit der Annahme meines Vorstosses Kinder nicht immer vor Kriminellen im Internet geschützt werden können. Wir können aber einen Beitrag dazu leisten, dass Kinder befähigt werden, sich mit der nötigen Vorsicht im virtuellen Raum zu bewegen.