10.02.2017 / Artikel / Staatspolitik und Recht / Populismus, Elite

Über den Luxus und die Arbeit eines Nationalrates

Als Nationalrat darf ich den Kurs meines Landes mitbestimmen. Ein unermessliches Privileg. Mein Alltag ist aber nicht durch dieses Privileg geprägt. Zu meinem Alltag gehört dann schon eher die Geldsuche für einen Genossenschaftsbau und einen Wärmeverbund in der Gemeinde, der Kampf gegen die Schliessung des Weissensteintunnels, das Ringen um ein Gemeindebudget, das nicht aus dem Ruder läuft.

Ich muss ausserdem Einwohner besänftigen, die durch die Militäreinquartierung gestört sind, bei Grossfirmen um einen Beitrag an die Neuuniformierung meines Musikvereins betteln, Unternehmern der Region schmeicheln, damit sie den Immigranten aus dem Dorf anstellen. Das sind keine Tätigkeiten weltpolitischer Tragweite – aber erfüllende.

Und in diesen Alltag hinein platzen nun die Trumps, Köppels und sonstigen Populisten, die erzählen, dass ich und alle anderen Politiker (ausser sie selber) eine „Elite“ seien, welche das Volk mit Füssen treten und es aussaugen.

Ich bin froh, ist mein Alltag (wie auch der meiner Kolleginnen und Kollegen) grundbodenständige Realität. Ich bin froh, werde ich täglich mit den Sorgen, Ängsten und Wünschen meiner Mitmenschen konfrontiert. Und ich kann genau deshalb mit Gelassenheit und in Stammtisch-Tonalität die einzig richtige Antwort auf die Populisten geben: Sie gehen mir am Arsch vorbei.