10.02.2017 / Artikel / Gesundheit / in puncto, Gesundheit, Gesundheitskosten, Hausärzte, Medizin

in puncto… Luxus Gesundheit

Im Migros Magazin vom 6. Februar erschien ein Artikel über den Mangel an Hausärzten in der Schweiz. Ärzte im Pensionsalter machen weiter, weil sie keine Nachfolger finden, welche die strenge und im Vergleich zu Spezialisten weniger gut bezahlte Arbeit auf sich nehmen wollen. Das Berufsbild des Hausarztes ist offenbar für Medizinstudenten nicht attraktiv genug. Trotz des vom Volk angenommenen Gegenvorschlags zur Volksinitiative „JA zur Hausarztmedizin“ verändert sich nichts. Und wenn, nicht zum Guten.

Ein Hausarzt beklagt sich über die Krankenkassen, die ihm „immer weniger vertrauen“ würden, und von den kostengünstigen Allroundern der Gesundheit immer mehr Bürokratie verlangten. Mittlerweile bestünden 20 Prozent der Tätigkeiten der Hausärzte aus Schreibarbeit. Wohl nicht gerade ihr Kerngeschäft.

Neben den Hausarzt-Rentnern kommt auch ein Vertreter eines Instituts für Gesundheitsökonomie zu Wort. Es würden mehr Leistungen bezogen als nötig. Ob auch mehr angeboten würde, als nötig, lässt er offen. Kosten seien einfach die Folge von Preis und Menge. Entweder könne man den Preis senken oder die Menge einschränken. „Hauptgrund, wieso unsere Gesundheitskosten in den letzten Jahren so stark angestiegen sind, ist das gestiegene Volkseinkommen. Wir können es uns leisten, viel Geld für Gesundheit auszugeben, und wir tun dies auch. Medizin ist ein Luxusgut. Alles, was angeboten wird, wird in hohem Masse nachgefragt. Wären wir Schweizerinnen und Schweizer nicht so reich, würden wir für Medizin weniger ausgeben, weil wir unser Geld für Nahrung und andere Grundbedürfnisse bräuchten.“

Da stellt sich doch mindestens die Frage, wer mit „wir“ gemeint ist, der sich den Luxus Gesundheit noch leisten kann. Der Mittelstand, der keine Prämienverbilligung erhält, wohl kaum. Natürlich ist Nahrung in unserer Gesellschaft günstiger als vor Jahrzehnten. Aber wenn Gesundheit dagegen überproportional mehr kostet, ist der Effekt der gleiche: der Mittelstand leidet.

Bürgerliche Gesundheitspolitiker, sofern sie nicht bloss Lobbyisten eines „Markts“ sein wollen, der schon lange kein Markt mehr ist, haben eine hohe Verantwortung: sie müssen mit liberalen Ansätzen den Kostenanstieg im Gesundheitswesen wirksam bremsen. Umgehend, denn die Zeit drängt, und der Leidensdruck ist gross. Das Volk lehnte bis jetzt alle staatlich regulierenden Ideen von Links ab. Es will keine Einheitskasse. Aber schaffen es die bürgerlichen Gesundheitspolitiker nicht, den Mittelstand nicht noch mehr Prämienlast aufzubürden, wird dieser die Geduld verlieren. Und den linken Vorschlägen eine Chance geben.