23.01.2017 Artikel Aussenpolitik in puncto, USA, Donald Trump, China, Export, Mittelstand

in puncto… Maos langer Marsch

2017 beginnt mit verkehrten Welten. Am WEF in Davos, dem jährlichen Konklave der globalen Hohepriester des Kapitalismus, tritt der Vorsitzende der Kommunistischen Partei und Staatschef Chinas auf, der (vorläufig noch) zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt. Und hält ein engagiertes Plädoyer für offene Märkte, freien Handel, und die Segnungen der Globalisierung.

Ein paar Tage später wird in den USA, der (vorläufig noch) grössten Volkswirtschaft der Welt, der neue Präsident einer Nation vereidigt, die wie keine andere den freiheitlichen kapitalistischen Traum verkörperte. Er hält ein engagiertes Plädoyer für Protektionismus, nationale Politik, Zölle und Abschottung.

Der Altmeister der amerikanischen Aussenpolitik, Henry Kissinger, Architekt des historischen Besuchs Präsident Nixons bei Mao Tse Tung im Jahre 1972, sagte im Dezember '16, dass Trump entweder seine Versprechen aus dem Wahlkampf (oder sind es eher Drohungen?) nicht umsetzen wird, oder wenn doch, einen Handelskrieg zwischen den USA und China auslösen könnte.

Den die amerikanische Mittelklasse verlieren würde. Sie könnte sich viele Produkte nicht mehr leisten, wenn Trump Importe mit Zöllen verteuern würde. Ein Auto beispielsweise, egal ob ein Ford oder ein Toyota, ist für den amerikanischen Mittelstand erschwinglich, weil es nicht in den USA produziert wurde. Trump selbst würde schnell den Zorn der Bevölkerungsgruppen, die ihn wählten, zu spüren bekommen. Der Kongress würde ihn fallen lassen.

China investierte jahrelang seine Exportüberschüsse in amerikanische Staatsanleihen, im Umfang von aktuell mehr als einer Billion Dollar. Damit besitzt China eine kaum zu unterschätzende Machtposition gegenüber den USA, die auf Pump leben. Die Amerikaner sind davon abhängig, dass sie weiterhin Kredit von China bekommen.

In Davos war der Kommunist Xi Jing Ping der neue Säulenheilige der Kapitalisten. Sein Auftritt war cool, selbstbewusst. So sehen Sieger aus. Die selbsternannte „Weltelite“ arrangierte sich schnell, ihr Kotau vor dem neuen Kaiser hätte serviler nicht sein können. Because the Davos Man isn’t pro (free) market, he’s just pro (his own) business. Wie sagte schon der Grosse Vorsitzende Mao: „Das Dogma ist weniger wert als ein Kuhfladen“. Der lange Marsch des „Grossen Führers“ ist endlich am Ziel.

Eine Schweizer Zeitung schrieb nach der Vereidigung Trumps, dieser sei jetzt der „mächtigste Mann der Welt.“ Fake News.