13.01.2017 / Artikel / Gesundheit / Krankenkassen, Krankenkassenprämien, Ärzte, Gesundheitskosten, Gesundheitswesen, Mittelstand

Steigende Kosten treffen den Mittelstand stark

Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) veröffentlichte im Herbst 2016 die Prognose der Gesundheitsausgaben. Ihr Fazit: Unveränderte Dynamik bis 2018. Das heisst, die KOF erwartet für 2016 eine Zunahme der gesamten Gesundheitsausgaben von 3.6 Prozent, für 2017 und 2018 von 3.9 Prozent. Das heisst natürlich auch, dass die Prämien weiter steigen werden.

Nur um das festzuhalten, seit Einführung des KVG haben sich die von den Krankenversichern bezahlten Leistungen pro versicherte Person praktisch verdoppelt, der Landesindex der Konsumentenpreise ist jedoch in dieser Zeit nur um ca. 12 Prozent angestiegen, die Nominallöhne um ca. 20 Prozent.

Kernproblem sind die ansteigenden Gesundheitskosten

Diese Entwicklung kann uns nicht egal sein. Denn das trifft den Mittelstand stark. Wenn ca. ein Drittel der Prämienzahlerinnen und Prämienzahler eine Prämienverbilligung erhalten ist klar, dass vor allem für das "Mitteldrittel" der Anstieg schmerzhaft wird. Umverteilung bei den Prämienzahlern und "Solidaritätsmodelle" lösen das Problem zudem nicht, wir müssen an die Wurzeln des Problems – und das sind die stetig ansteigenden Kosten im Gesundheitsweisen. Die Schere zwischen Einkommensentwicklung bei den Prämienzahlern und den ansteigenden Prämien geht immer weiter auseinander. Die Schmerzgrenze wurde in vielen Familien bereits erreicht.

Wie können die Kosten gesenkt werden?

Es wurde schon viel über das Thema geschrieben und verschiedenste Modelle und Ansätze diskutiert. Wenn wir das Thema jetzt wieder aufgreifen, so ist das nicht revolutionär. Trotzdem muss jetzt noch konsequenter auf eine Reduktion des Kostenanstiegs im Gesundheitswesen hin gearbeitet werden. Denn alle Massnahmen, die wir heute diskutieren, werden, wenn überhaupt, erst in ein paar Jahren greifen. Dazwischen liegt ein weiteres, jährliches Auseinanderklaffen von Lohn- und Prämienwachstum zu Lasten des Mittelstandes.

Es gibt gute Ansätze für kostensenkende Massnahmen:

  • Grundsätzlich wieder das vom KVG geforderte WZW (Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit) konsequent einfordern;
  • Medizintechnischer Fortschritt ­– wieso ergibt das nicht Effizienzgewinne und Kostenreduktion? Wer kassiert diese Innovations-Dividenden?
  • Falsche Anreize müssen eliminiert werden – zu viele nicht notwendige Leistungen werden erbracht (auch die Tarifstruktur setzt falsche Anreize);
  • Ambulant statt stationär (langfristig könnte hier eine Milliarde Franken eingespart werden);
  • Transparenz und Qualität sicherstellen und basierend darauf vergüten (Krankenversicherer dürften medizinische Leistungen von ungenügender Qualität und nicht notwendige Leistungen nicht vergüten). Schliesslich verlangt das KVG von den Ärzten und Spitälern seit 20 Jahren Qualitätsindikatoren;
  • Generika Abgabe fördern (Motion CVP-Nationalrätin Ruth Humbel);
  • Gleiche Finanzierung von ambulanten und stationären Behandlungen (Forderung Ruth Humbel);
  • etc.

Kostenbremse gefordert

Die CVP hat sich mit verschiedenen Vorstösse dem Thema angenommen. Zuletzt reichten NR Christian Lohr und SR Erich Ettlin je drei Vorstösse ein. Unter anderem soll eine Kostenbegrenzungsmassnahme eingeführt werden. Sobald die Kosten pro Versicherten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) im Jahresdurchschnitt stärker steigen als die Entwicklung der Nominallöhne, multipliziert mit dem Faktor 1,1., müssen zwingende Kostenbegrenzungsmassnahmen in Kraft treten. Damit würde eine Kostenbremse ähnlich der Schuldenbremse eingeführt werden.

Man mag diese Idee naiv finden und auf bisherige, erfolglose Versuche verweisen. Fakt ist, wir haben es nicht geschafft, den Kostenanstieg zu kontrollieren, das System läuft aus dem Ruder. Deshalb braucht es neue Anläufe, stärkere Anstrengungen und vielleicht eine Zwangsdisziplinierung der Akteure. Alt Bundesrat Kaspar Villiger hat "seine" Schuldenbremse mit dem Fesseln des Odysseus an den Mast verglichen ­– um den Sirenen-Gesängen widerstehen zu können. Vielleicht muss man das im Gesundheitswesen ebenfalls anwenden – und zudem den Mitwirkenden die Ohren mit Wachs verschliessen.