23.11.2016 / Artikel / Umwelt und Energie / Atomkraft, Atomausstieg, alternative Energien

Nein zur Atomausstiegsinitiative!

Am Sonntag stimmen wir über die Atomausstiegsinitiative ab. Sie fordert maximale Laufzeiten von 45 Jahren für alle Atomkraftwerke. Bereits 2017 müssten drei Kraftwerke vom Netz. 2029 würde das letzte Schweizer Atomkraftwerk still gelegt. Auch ich fordere einen baldigen Ausstieg aus der Atomenergie! Warum ich diese Initiative dennoch ablehne? Sie enthält einen gefährlichen, gravierenden Mangel: es fehlt die Zeit!

Die Ausstiegsinitiative bringt nämlich alles andere als einen geordneten Ausstieg. Alternativen für die bereits 2017 still zu legenden AKW haben wir keine. Innerhalb eines Jahres lässt sich nichts erstellen. Der Aufbau erneuerbarer Energien braucht Zeit. Eben wurde das Wasserkraftwerk an der Waldemme im Entlebuch bewilligt. Von der Prüfung der Machbarkeit bis zur Erteilung der Konzession sind elf Jahre vergangen…

Wegen Einsprachen gibt es langwierige Verzögerungen beim Bau von Wind- oder Wasserkraftwerken. Denken Sie an die Grimsel-Staumauer: Das Berner Verwaltungsgericht hat entschieden, dass der Moorschutz höher zu gewichten sei als die Erhöhung der Staumauer. Es mutet zynisch an, dass die Initianten dieses Projekt gleichzeitig behindern und dafür sorgen, dass wertvolle Zeit verloren geht.

Die Stilllegung von AKW ist eine hochkomplexe Arbeit

Wenn ein AKW still gelegt wird, dauert nur schon der Prozess der Stilllegung vier Jahre. So wurde das Stilllegungsgesuch für das AKW Mühleberg im Dezember 2015 eingereicht. Bis 2019 soll’s dann so weit sein. Noch wichtiger ist, dass sofort mit dem Rückbau des AKWs begonnen werden kann. Das ist eine hochkomplexe Angelegenheit, die von bisherigen Mitarbeitenden von Mühleberg erledigt werden muss. Sie kennen das AKW, wissen, wie mit kontaminiertem Material umzugehen und die Arbeit zu erledigen ist. Dies alles muss aber von langer Hand geplant werden. Quasi über Nacht ist unmöglich! Es fehlt die Zeit!

Strom-Abhängigkeit vom Ausland vermeiden

Würde die Initiative angenommen, fehlen uns bereits nächstes Jahr 15 Prozent Strom. Wenn die Gegner nun argumentieren, wir produzierten ohnehin viel zu viel Strom, so mag das übers Jahr gerechnet stimmen. Im Winter aber, wenn weniger Energie über die Wasserkraftwerke produziert wird, ist mit einer Stromlücke zu rechnen. Nur schon ein Stromausfall während eines Tages zieht Kosten in der Höhe von sechs Milliarden Franken nach sich. Zudem will ich keinen schmutzigen, umweltschädigenden Strom aus Europa importieren. Auch eine zusätzliche unnötige Abhängigkeit vom Ausland gilt es zu vermeiden.

Schweizer AKW gelten als sicher

Die Initiative ist widersprüchlich. Die Befürworter argumentieren, die AKW müssten aus Sicherheitsgründen vom Netz. Wenn unsere AKWs aber unsicher wären, müsste die Forderung lauten, alle per sofort vom Netz zu nehmen und nicht in Raten, wie es die Initianten fordern! Überhaupt zum Thema Sicherheit: Sie ist das einzige Kriterium, welches bei uns zählt. Alle AKWs sind regelmässigen, strengen Prüfungen des ENSI (eidgenössisches Nuklear- und Sicherheitsinspektorat, Fachexpertengremium des Bundes) unterstellt. Auch Stresstests, die europaweit durchgeführt werden, erbringen immer dasselbe Resultat: Unsere AKWs gehören zu den sichersten in ganz Europa. 

Der Atomausstieg soll in geordneten Bahnen verlaufen. Die richtige Alternative ist die Energiestrategie 2015. Sie gibt uns die notwendige Zeit, den Atomausstieg zu planen, rechtzeitig erneuerbare Energien zu fördern und Alternativen bereit zu halten, wenn die AKWs dann still gelegt werden: deshalb Nein zur Atomausstiegsinitiative.