22.11.2016 / Artikel / Sicherheit / in puncto, Sicherheit, Terrorismus, Journalismus, Judentum

in puncto... Journalisten und Juden

Meldung Nummer 1: Am 8. Januar 2015 berichtete das Regionaljournal SRF: „Nach dem blutigen Anschlag auf die französische Satire-Zeitschrift «Charlie Hebdo» in Paris überlegen sich auch Schweizer Medien, ob sie ihr Sicherheitsdispositiv anpassen müssen. In Zürich bewacht die Stadtpolizei neu die Redaktionsräume der «Weltwoche»-Redaktion.“ Dies, weil in dieser Zeitung „korankritische“ Artikel publiziert worden seien.

Meldung Nummer 2: Am 17. November 2016 veröffentlicht der Bundesrat einen Bericht über Massnahmen gegen Antisemitismus. Darin hält er fest, dass Juden besonders gefährdet seien durch dschihadistischen Terror. Aber der Einsatz von verstärkten staatlichen Sicherheitsmassnahmen zum Schutz der jüdischen Gemeinschaft wird nicht erwogen. Es wird vielmehr vorgeschlagen, dass die jüdische Gemeinschaft eine Stiftung gründen und speisen soll, welche die eigenen Sicherheitsmassnahmen finanziert.

Es ist richtig, dass der Staat Journalisten schützt, wenn sie von Terrorismus bedroht sind. Wir müssen alles tun, dass die Meinungsfreiheit in der Schweiz erhalten bleibt. Es ist richtig, dass Journalisten nicht diese Sicherheitsmassnahmen selbst bezahlen müssen.

Es ist richtig, dass der Staat Juden schützt, wenn sie von Terrorismus bedroht sind. Wir müssen alles tun, damit die Religionsfreiheit in der Schweiz erhalten bleibt. Es ist falsch, dass Juden diese Sicherheitsmassnahmen selbst bezahlen sollen.

Sind Journalisten schützenswerter als Juden? Müsste man nicht alle in der Schweiz lebenden Menschen gleichermassen vor Terrorismus schützen, ohne dass sie diesen Schutz bezahlen müssen? Man nennt so etwas Rechtsstaat. Denn entscheidend ist nicht die journalistische Meinung oder die persönliche Religion innerhalb der rechtsstaatlichen Regeln, sondern die Gefährdung. Wenn ich mich je für meine Landesregierung fremdschämen müsste, dann nach Lektüre seines Berichts zum Antisemitismus in der Schweiz.