31.10.2016 Artikel Klima & Umwelt Atomausstieg, Atomausstiegsinitiative, erneuerbare Energien, Energiestrategie 2050

Nein zur Ausstiegsinitiative – Ja zur Energiestrategie 2050

Der Bundesrat, das Parlament, die Wirtschaft, das Gewerbe und auch die kantonalen Energiedirektoren: Sie alle lehnen die Ausstiegsinitiative der Grünen ab – denn sie haben erkannt, dass ein Umbau der Energieversorgung seriös geplant werden muss. Ohne sofortige Dreckstromimporte und Kurzschlusshandlungen. Dabei ist für die CVP und die Befürworter der Energiestrategie des Bundes klar, dass der Atomausstieg auch ohne diese Initiative erfolgen muss. Ein Unfall wie Fukushima hätte für die Schweiz katastrophale Folgen, die wir uns gar nicht vorstellen können.

Die Initianten der Ausstiegsinitiative möchten den Atomausstieg nicht geordnet, sondern sehr schnell und dies ohne die Folgen zu berücksichtigen. Eine Annahme der Initiative bedeutet, dass bereits 2017 drei der fünf Atomkraftwerke vom Netz müssten, namentlich Beznau I und II sowie Mühleberg. Gösgen würde 2024 und das AKW Leibstadt als letztes 2029 folgen. Innerhalb der nächsten 13 Jahre müsste die Schweiz mehr als 37 Prozent ihrer heutigen Stromproduktion ersetzen. Dies ist in so kurzer Zeit völlig unrealistisch.

Energiestrategie 2050 als Gegenprojekt

In der vergangenen Herbstsession hat das Parlament die Energiestrategie verabschiedet. Nach langem Ringen haben sich die Räte zu diesem Kompromiss durchgerungen. Die Energiestrategie 2050 bekennt sich zum Atomausstieg und möchte den Atomstrom durch Strom aus erneuerbaren Energien ersetzen. Die Wasserkraft, Wind und Sonnenenergie werden in Zukunft stark gefördert. Daneben soll auch in die Energieeffizienz investiert werden, um den Energiekonsum zu senken und diese Ressource sinnvoller und effizienter einzusetzen. Damit wird der Atomausstieg möglich, ohne dass die Versorgungssicherheit unseres Landes gefährdet wird. Da die unerschütterlichen Atombefürworter von ganz rechts gegen die Energiestrategie 2050 das Referendum ergriffen haben, wird das Volk voraussichtlich im Frühjahr 2017 über die Energiestrategie 2050 abstimmen müssen.

Energiewende braucht Zeit und Förderung der Erneuerbaren

Würde die Atomausstiegsinitiative angenommen, müsste fast 40 Prozent unseres Strombedarfs innert relativ kurzer Zeit anderswo bezogen werden. Denn Experten sind sich einig, bis 2029 wird der Schweizer Strommix nicht radikal auf erneuerbare Energien umgestellt sein, bis 2017 schon gar nicht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass heute gerade einmal 3,8 Prozent des Stroms aus «neuen» erneuerbaren Energien (Sonne, Holz, Biomasse, Wind, Geothermie und Umgebungswärme) gewonnen wird. Auch die heute schon mit deutlich über 50 Prozent Marktanteil dominierende Wasserkraft kann nicht nach Belieben ausgebaut werden. Das weiss niemand besser als die Grünen und Linken, die es immer wieder fertigbringen Ausbauprojekte im Wasserkraftbereich zu verzögern oder sogar auszubremsen. Dasselbe passiert übrigens vielfach auch bei Projekten im Zusammenhang mit den «neuen» erneuerbaren Energien.

Nein zur Auslandabhängigkeit und zu Dreckstromimporten

Eine Annahme der Atomausstiegsinitiative hätte zur Folge, dass die Schweiz eine völlig unnötige Abhängigkeit vom Ausland eingehen würde. Da es sich bei den Stromkonzernen in unserem Land um gewinnorientierte Firmen handelt und niemand bereit ist für den Strom massiv mehr zu bezahlen, würden die Stromkonzerne sicher nicht teuren Ökostrom, sondern im besten Fall Atomstrom aus Frankreich und Kohlestrom aus Deutschland importieren. Im schlimmsten Fall würden wir mehr Gas aus Russland und Erdöl aus dem arabischen Raum benötigen, um unsere Energieversorgung zu sichern. Das wäre für unsere Umwelt fatal und würde genau zum Gegenteil von dem führen, was die Initianten vorgeben zu wollen. Denn unser mittelfristiges Ziel – und hier ist die CVP mit den Initianten einig – muss sein: weniger CO2-Ausstoss und Atomausstieg.

Mit der Energiestrategie 2050 besteht bereits eine klare und sinnvolle Strategie für die Energiewende. Damit wird ein geordneter Atomausstieg möglich, dies ohne in Abhängigkeit vom Ausland zu geraten und ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Lassen wir diesem wichtigen Vorhaben die nötige Zeit um sicher und erfolgreich ans Ziel zu kommen.