02.09.2016 / Artikel / Landwirtschaft / Bergkantone, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB), Agrotourismus, Bauen, Industrie

Christine Bulliard ist neue Präsidentin der SAB

Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete SAB wird erstmals in ihrer bald 75-jährigen Geschichte von einer Frau präsidiert. Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach (FR) wurde in Heiden zur neuen Präsidentin der SAB gewählt.

Warum setzt Du Dich für die Berggebiete ein? 

Zwei Drittel der Schweiz sind Berggebiete, 20 Prozent der Bevölkerung leben dort. Die Berggebiete prägen die schweizerische Identität. Als ehemalige Gemeindepräsidentin von Ueberstorf und Vorstandsmitglied des schweizerischen Gemeindeverbandes kenne ich die Anliegen der rund 600 Berggemeinden, die neben den Kantonen sowie zahlreichen Organisationen und Personen in der SAB zusammengeschlossen sind. Das sind gute Voraussetzungen, um als Nationalrätin deren Anliegen in Bern zu vertreten. Kommt dazu, dass ich der Verbindung zwischen der deutschen und der welschen Schweiz vermehrt Beachtung schenken möchte.

Wo siehst Du aktuell Handlungsbedarf, also die grössten Sorgen der Berggebiete?

Im Vordergrund steht für mich die Sicherung der Arbeitsplätze, sei dies nun in der Landwirtschaft, im Tourismus oder in der Wirtschaft allgemein. Leider scheint das Verständnis immer mehr zu schwinden, dass die Berggebiete in erster Linie ein Lebens- und Wirtschaftsraum sind. Oder wussten Sie, dass der Anteil der Beschäftigten in der Industrie im Berggebiet deutlich grösser ist als im Mitteland? Es ist kein Zufall, dass dieses Jahr mit der Gomina AG im Goms ein Industriebetrieb mit dem von der SAB und der Schweizer Berghilfe verliehenen Prix Montagne ausgezeichnet wurde. Mit dem Verständnis für die Rolle der Berggebiete schwindet auch zunehmend die innerschweizerische Solidarität. Der Verteilkampf um die Mittel aus der NFA aber auch der Streit um den Fremdsprachenunterricht an den obligatorischen Schulen sind klare Anzeichen dafür. Als Präsidentin der SAB will ich mich dafür einsetzen, den Dialog zu fördern und die Funktionen und den Stellenwert der Berggebiete und ländlichen Räume wieder ins richtige Licht zu rücken.

Wie kann sich die Politik konkret für die Berggebiete einsetzen?

In den Berggebieten gibt es zahlreiche innovative Akteure, welche die wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben wollen. Doch oft fehlt es an den nötigen Ressourcen, um diesen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen. Oder es werden diesen Akteuren Steine in den Weg gelegt. Hier müssen wir ansetzen. Der Bund muss die Eigeninitiative der Bergbevölkerung unterstützen. Er tut dies beispielsweise über die Regionalpolitik. Diese muss weiter gestärkt und ausgebaut werden. Andererseits braucht es auch entsprechende Infrastrukturen in den Bergregionen, damit diese die gleichen Chancen haben wie die urbane Bevölkerung. Dazu gehört u.a. der Ausbau der Breitbandnetze. Und letztlich darf man der Bergbevölkerung nicht unnötig Steine in den Weg legen. Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative war so ein Stein. Ich denke aber beispielweise auch an den Agrotourismus. Der Bund fordert von den Landwirten, unternehmerisch tätig zu sein. Gleichzeitig schränkt er aber ihre Möglichkeiten ein. Die SAB hat übrigens zu diesem Thema der wirtschaftlichen Entwicklung vergangene Woche eine Resolution mit Forderungen an den Bund verabschiedet (www.sab.ch).