24.08.2016 Artikel Service public & Verkehr Freiwilligenarbeit, Freiwilligenengagement, Erfolgsmodell Schweiz, Migration, Familien, Wirtschaft

Engagement wertschätzen und stärken – für unsere Schweiz

Unsere direkte Demokratie ist einmalig. Wie nirgends auf der Welt können wir Stimmbürger und Stimmbürgerinnen mitentscheiden, wie es laufen soll mit unserem Land. Leider beteiligen sich da meist weniger als die Hälfte. Das können wir uns nicht leisten, wenn wir gemeinsam unsere aktuellen Baustellen bewältigen wollen. Ein nicht unwichtiger Faktor spielt dabei die Freiwilligenarbeit.

Unsere Exekutiven müssen umsetzen, was beschlossen wurde. Das heisst oft, sich zusammenraufen, Kompromisse aushandeln, auch über Parteigrenzen hinweg. Das ist anspruchsvoll und wir dürfen stolz darauf sein, was uns in der Schweiz auf diesem Weg alles gelingt. Dies heisst aber auch, dass wir Verantwortung übernehmen müssen. Wir müssen wachsam und kritisch sein, dürfen nicht stehenbleiben, müssen erkennen, was überholt ist und weiterentwickeln, was gut ist. Komplizierte Fragen kennen keine einfachen Antworten und nicht wenige Leute in diesem Land stellen populistische Forderungen. Das können wir uns nicht leisten, denn so werden wir unsere aktuellen Baustellen nicht bewältigen können. Dazu gehören die Sicherung der Renten, die Bewältigung der Migration, die Sicherung der Arbeitsplätze und unser Platz in Europa.

Wir verdienen jeden zweiten Franken im Ausland

Dieser Platz in Europa muss wegen der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative neu ausgehandelt werden. Die Bilateralen Verträge – und damit der Zugang zum wichtigsten Absatzmarkt für unsere Exportwirtschaft – sind in Gefahr. Das ist verhängnisvoll, schafft Rechtsunsicherheit – gerade für Unternehmen; für die grossen und vor allem für die KMU. Denn vergessen wir nicht: Wir verdienen jeden zweiten Franken im Ausland und mit dem Ausland. Wir müssen die Bilateralen Verträge retten, um unsere Arbeitsplätze und unseren Wohlstand zu bewahren.

Auch mit der Migration und ihren Auswirkungen sind wir gefordert

An Sportler und Models mit Namen wie Dzemaijli, Xhaka, Wawrinka oder Tchoumicheva haben wir uns schnell gewöhnt. In unseren Gemeinden, in der Schule, am Arbeitspatz und im Freizeitbereich braucht es aber noch grosse Anstrengungen, um diejenigen, die es nötig haben, bei ihrer Integration zu unterstützen. Gleichzeitig müssen wir in der Integration aber auch klare Forderungen stellen: Sprache beherrschen, Werte leben und unsere Kultur kennen. Den Handschlag einer Lehrperson gilt es anzunehmen und zur Schulpflicht gehört die Teilnahme am Schwimmunterricht und im Skilager.

Unsere Vereine – unsere Trumpfkarte

Es gibt kein Wundermittel und keine Sofort-Medizin. Es gibt aber ein Instrument, das beim Anpacken dieser Herausforderungen helfen kann. Es gibt nämlich einen weiteren wichtigen Faktor des Erfolgsmodells Schweiz: Die Schweiz als Vereinsland. Ein Land mit einem enormen Kapital an gesellschaftlichem Engagement. Das ist die oft vergessene und verkannte Trumpfkarte, die wir stärken und noch häufiger spielen müssen. Insgesamt sind die Einsätze als Freiwillige jedoch leicht rückläufig, insbesondere junge Erwachsene zwischen 15 und 34, sie zeigen ein geringeres Interesse an einem freiwilligen Engagement als Personen über 35.

Ich denke, es gibt drei Wege, die wir beschreiten müssen um den Trend umzukehren, den ein Engagement in einem Verein ist gut: Für die, die mitmachen und für die, die davon profitieren.

  1. Vereine stärken (Infrastruktur bieten, Unterstützung leisten)
  2. Akzeptanz schaffen in der Arbeitswelt: Viele von uns sind sehr gefordert, wenn wir versuchen, Arbeit im Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Zusätzliches Engagement liegt nicht mehr drin. Arbeitgeber in der Schweiz müssen sich dazu bekennen und wissen, dass sie damit einen Beitrag leisten zur Zukunft unseres Landes – auch zur wirtschaftlichen Zukunft unseres Landes – leisten. Freiwilliges Engagement sollte eine Zusatzqualifikation sein im Arbeitsleben.
  3. Vorbilder: ein Chef, der selber noch in der Turnhalle steht und die Handball-Juniorinnen trainiert; eine Vorgesetzte, die im Elternrat sitzt oder der leitende Angestellte, der für den Kantonsrat kandidiert – sie alle sind Vorbilder und haben eine Wirkung auf die anderen Mitarbeitenden und sagen viel aus über die Firmenkultur.

Das ist unser Auftrag! Wir alle beteiligen uns so am Erfolgsmodell Schweiz, stärken es und tragen es weiter.