01.07.2016 / Artikel / Sicherheit / Jugendschutz, Mobbing, sexting, Medien, Jugendmedienschutz

Paul lebt…,

… doch niemand weiss, was der 12-Jährige in den neun Tagen seiner Entführung erleben musste. Täglich bringen die Medien neue Details in die Schlagzeilen. Deren Wahrheitsgehalt ist zu prüfen. Ermittelt wird wegen Entführung, sexuellem Missbrauch und Kinderpornographie.

Auch wenn noch keine Verurteilung vorliegt, steht fest, dass sich ein 35-jähriger Mann via Internetspiel an ein 12-jähriges Kind herangemacht hatte und dieses entführte. Was bewegt einen erwachsenen Mann dazu, sich aktiv in Internetspielen und in Chatrooms für Primarschüler aufzuhalten? Die mögliche Antwort jagt mir einen kalten Schauer über den Rücken. Und offenbar nicht nur mir. Wie ist es sonst zu erklären, dass auf allen Kommunikationskanälen analysiert, spekuliert und über die Verhinderung solcher Taten nachgedacht wird.

Medienkompetenz das A und O

Die Medienkompetenz wird angesichts des aktuellen Verbrechens an Paul zu Recht als besonders wichtig angesehen. Kinder müssen möglichst früh lernen, wie sie sich im Netz schützen können. Eltern und Lehrpersonen müssen darin geschult werden, wie sie die Kinder dabei unterstützen können.

Seit 2008 bringe ich dieses Thema regelmässig in Form von Vorstössen auf die Tagesordnung. Die Schaffung eines nationalen Zentrums für die Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen ist für einen wirksamen Schutz unumgänglich. Es wird in diesem Bereich zwar bereits heute viel gemacht. Leider fehlt aber die Koordination der verschiedenen Player. Gemeinsam und aufeinander abgestimmt könnte mit dem gleichen Aufwand viel mehr erreicht werden. Dazu muss aber einer der Akteure den Lead übernehmen. Prädestiniert dafür ist der Bund. Die Internetwelt kennt keine Landesgrenzen. Der aktuelle Fall mit seinem Bezug zu Deutschland und den USA zeigt dies exemplarisch. Kommt dazu, dass sie sich in einem horrenden Tempo weiterentwickelt.

Parlament gefordert

Im Bericht des Bundesrats zur zukünftigen Ausgestaltung des Kinder- und Jugendmedienschutzes vom Mai 2015 kommen Experten zum selben Schluss. Das Fazit lautet: Der bestehende Kinder- und Jugendmedienschutz ist lückenhaft und stark fragmentiert. Es braucht daher weitere Massnahmen sowohl in der Gesetzgebung als auch bei der Erziehung.

Die Experten empfehlen denn auch die Schaffung einer nationalen Koordinationsstelle für den regulierenden Kinder- und Jugendmedienschutz zur Koordination und Abstimmung der kantonalen und nationalen Regulierungsmassnahmen. Diese Empfehlung habe ich mit einer parlamentarischen Initiative vor fast genau einem Jahr aufgenommen. Die zuständige Kommission des Nationalrats hat sich leider knapp gegen meinen Vorstoss ausgesprochen.

Es ist zu hoffen, dass die Diskussionen um den Fall „Paul“ aufrütteln, zur Sensibilisierung beitragen und im Parlament den Weg für den Erlass wirkungsvoller Instrumente ebnen. Mich bekräftigt die abscheuliche Tat jedenfalls darin, die Anstrengungen im Kinder- und Jugendschutz fortzuführen. Auf die Unterstützung der CVP konnte und kann ich auch in Zukunft zählen.

Vorstösse zum Thema

Motion „Jugendmedienschutz. Schaffung eines nationalen Kompetenzzentrums für elektronische Medien“ (https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20083618),

Interpellation „Jugendmedienschutz. Weiteres Vorgehen nach den Präventionsprogrammen“ (https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20103761),

Motion Jugendmedienschutz „Schaffung eines nationalen Kompetenzzentrums für elektronische Medien“(https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20104079),

Postulat „Schaffung eines Kompetenzzentrums für den Umgang mit neuen Medien“ (https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20143184),

Parlamentarische Initiative „Schaffung eines Kompetenzzentrums für die Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen“ (https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20150466)