01.06.2016 Artikel Service public & Verkehr Gotthard-Strassentunnel, Gotthard, Europa

Die NEAT verbindet die Schweiz

Heute feiern wir die Eröffnung des Gotthardbasistunnels und damit des bedeutendsten Bauwerks der NEAT. Ein grosser Tag für unser Land und für alle, die an der Verwirklichung dieses Projekts mitgearbeitet haben. Der neue Gotthardtunnel wird der längste Tunnel der Erde sein und dies mit zahlreichen technischen Superlativen. Das neue Bauwerk verbindet insbesondere auch Menschen.

Europa krankt an einem latenten Gegensatz von Nord und Süd. In der Schweiz ist dieser Graben glücklicherweise überwindbar, aber auch bei uns müssen wir feststellen, dass sich unser südlichster Kanton, das Tessin, immer wieder unverstanden, unterrepräsentiert oder sogar schlicht vernachlässigt fühlt. Der neue Gotthardbasistunnel wird die Schweiz noch mehr zusammenbringen. Der Austausch zwischen Nord und Süd wird intensiver und regelmässiger. Städte wie Lugano, Bellinzona oder Mailand werden für Bewohner des Mittellandes zu attraktiven Tagesausflugdestinationen. Ein Wohnsitz im Tessin mit Arbeitsort Zürich, Luzern oder Zug wird eher möglich.

Die NEAT ist eine Chance für die Gotthardregion

Der neue Gotthard-Basistunnel führt zu deutlich weniger Fahrten auf der alten Bergstrecke. Die alte Bergstrecke wird damit wieder nutzbar für Regionalzüge und vor allem für spezifische touristische Angebote. Diese Chance muss genutzt werden. Die NEAT ermöglicht, dass bislang zu wenig beachtete Destinationen wieder auf der Landkarte erscheinen. Die historische Bergstrecke, deren Eröffnung 1882 ein welthistorischer Moment war, muss als das vermarktet werden, was sie ist: ein Welterbe! Die Eröffnung dieses Jahrhundertbauwerks muss wie bei der Bergstrecke Beginn einer Entwicklung sein, die die Regionen und ihre Eigenheiten berücksichtigt und positiv weiterentwickelt.

Die Schweiz: Ein Land von Innovation und Pioniergeist

Mit dem Bau des Gotthard Basistunnels, der mit 57 Kilometern der weltweit längste Eisenbahntunnel der Welt ist, hat die Schweiz einmal mehr Innovationskraft und Pioniergeist bewiesen. 1992 hat das Schweizer Volk den Bau der NEAT mit einer Zustimmung von 63,5 Prozent beschlossen, 1999 erfolgte die erste Sprengung im Hauptstollen, dieses Jahr wird der Gotthard-Basistunnel eröffnet und 2020 wird die NEAT mit der Inbetriebnahme des 15,4 Kilometer langen Ceneri-Basistunnels vervollständigt und abgeschlossen. Die Gesamtkosten der NEAT werden bei Projektabschluss rund 23 Milliarden Franken betragen. Auch dies ist ein Beweis, dass die NEAT ein Jahrhundertbauwerk ist.

Ein Beweis von konsequenter Verlagerungspolitik

Nicht vergessen werden darf der Hauptgrund für den Bau der neuen Alpentransversalen. Es ist die Kapazitätserhöhung für den Güterverkehr, um diesen von der Strasse auf die Schiene zu verlagern. Mit dem Bau des Jahrhundertprojekts NEAT hat die Schweiz – wie kein anderes Land in Europa – den Beweis erbracht, dass sie mit der Verlagerungspolitik ernst meint. Die Schweiz ist mit seiner konsequenten Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene ein Vorbild für die EU-Länder. Sie zeigt auch, dass sie ein offenes Land ist und sich für nachhaltige und sinnvolle Verkehrspolitik in Europa einsetzt. Diese Politik setzt uns verdientermassen ins Rampenlicht. Drei Wochen vor der Abstimmung über den EU-Austritt Grossbritanniens ist es eine einmalige Chance für Schweiz zu zeigen, wer wirklich etwas für Europa tut! 

Die Schweiz darf wirklich sagen: Freude herrscht!

Heute ist es soweit. In Beisein von Staats- und Regierungschefs der Nachbarländer wird der Gotthard-Basistunnel feierlich eröffnet. Alleine die Tatsache, dass sich über 160‘000 Personen für die 1000 Plätze in den Eröffnungszügen beworben haben, darf uns stolz machen. Die Schweiz ist ein Land des öffentlichen Verkehrs. Ein visionäres und mutiges Bahnprojekt der Schweiz für die Verlagerung der Güter von der Strasse auf die Schiene und für schnellere Verbindungen innerhalb der Schweiz wird Realität. Die NEAT steht für eine vorbildliche Verkehrspolitik, gerade was den öffentlichen Verkehr betrifft, und sollte auch für Europa ein Beispiel sein. Die Schweiz darf wirklich sagen: Freude herrscht! Ein Wermutstropfen bleibt für mich als Bündner: Nur die Porta Alpina* fehlt noch. Ein grosser Fehler, der irgendwann korrigiert werden muss.

* Die Porta Alpina ist der Arbeitstitel eines Projektes für eine unterirdische Bahnstation in der Mitte des Tunnels mit Anbindung des Ortes Sedrun und der ganzen Surselva