23.03.2016 Artikel Staatspolitik & Recht Schweiz, Jugend, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Ausländer, Durchsetzungsinitiative

Das Ticken der Jugend

Was denken die 17-Jährigen über die wichtigen Fragen, die sich unserer Schweizer Gesellschaft stellen? Die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen hat eine Umfrage «Ich und meine Schweiz» veröffentlicht, die aufschlussreich ist. Die Antworten der Jungen, von denen erfreulicherweise volle 66 Prozent geantwortet haben, stimmen mich zuversichtlich. Dies insbesondere, wenn ich die schwierige allgemeine Situation in Betracht ziehe, in der wir stehen. Es zeigt sich, die 17-Jährigen wollen sich aktiv einbringen!

Ausbildung, Beruf, Partnerschaft, Familie und Freizeit haben bei den 17-Jährigen einen hohen Stellenwert. Junge Frauen und Männer sind aber nicht überall gleicher Meinung, zum Beispiel was die Aufteilung der künftigen familiären Aufgaben anbelangt. 29 Prozent der Männer, aber nur 15 Prozent der Frauen, wollen am traditionellen Arbeitsmodell festhalten, das heisst der Mann ist berufstätig und die Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt. Die jungen Frauen befürworten grossmehrheitlich Teilzeitarbeit für Frauen und Männer. Was heisst das für die Zukunft und Prosperität der Schweiz? Es ist wichtig, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter zu fördern und ihre Bedeutung zu erläutern.

In Bezug auf die ausländische Bevölkerung vertreten die Jugendlichen eine gemässigte Meinung und bringen das Thema Immigration weniger oft mit Kriminalität in Verbindung als der Rest der Bevölkerung. Und auch die Beziehung zu unseren Nachbarländern ist unverkrampft. 62 Prozent finden die Personenfreizügigkeit eine gute Sache, obwohl nur neun Prozent der 17-Jährigen den EU-Beitritt befürworten. In einem EU-Land leben und arbeiten würden die Jungen gerne. Es zeigt sich glücklicherweise, unsere Jungen wollen keine geschlossenen Grenzen.

Was mich aber sehr nachdenklich stimmt: Beinahe 20 Prozent der 17-Jährigen haben keinen Schweizer Pass, etwa ein Viertel sind Doppelbürger. Nur gut die Hälfte der Jungen hat nur die Schweizer Staatsbürgerschaft. Müssten wir unser politisches System nicht ändern? An die Folgen der SVP-Abschottungspolitik gar nicht zu denken, die auch Einbürgerungen erschwert und zu einer Zweiklas- sengesellschaft führt.

Zum Glück wurde nun die Durchsetzungsinitiative abgelehnt, welche für junge Menschen ohne roten Pass ein ganz schlechtes Signal gewesen wäre.