02.03.2016 Artikel Gesundheit

Wer ist denn schon perfekt?

​Mitte Juni letzten Jahres stimmte das Schweizer Volk über die Verfassungsänderung zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie im Humanbereich an. Die Bevölkerung stimmte damals zu. Ein Jahr später stimmen wir nun erneut über die Präimplantationsdiagnostik ab. Dieses Mal geht es aber um das Fortpflanzungsmedizingesetz. Ich bin gegen diese menschenunwürdige Gesetzesänderung.

Angesichts der Präimplantationsdiagnostik (PID) – einem Selektionsverfahren zwischen wertem und nicht wertem Leben – stellt sich die Frage: Welches Baby ist denn schon perfekt? Der Bundesrat wollte in seinem ursprünglichen Entwurf die PID lediglich für Paare mit Verdacht auf schwere Erbkrankheiten zulassen. Das Parlament ging viel weiter. Was nun beim Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) gemacht werden kann, ist nicht mehr menschenwürdig. Bereits bei einem Verdacht einer möglichen Krankheit wird über lebenswert oder eben nicht selektioniert. Wer trägt die Verantwortung einer Fehleinschätzung?

Recht auf Leben ohne Krankheit?

Das FmedG wirft wichtige gesellschaftspolitische Fragen auf. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir müssen uns die Frage stellen: Gibt es das Recht auf ein Leben ohne Krankheit? Gibt es das Recht auf ein Leben ohne Behinderung? Meiner Ansicht nach gilt die Menschenwürde für alle Menschen in gleichem Masse. Gerade auch für Menschen, welche scheinbar nicht perfekt sind.

Als Mitglied des Co-Präsidiums des überparteilichen Komitees „NEIN zu diesem Fortpflanzungsmedizingesetz“ respektiere ich den Volksentscheid vom 14. Juni 2015 für die Einführung der PID in der Schweiz. Jedoch geht mir das vom Parlament vorgelegte Umsetzungsgesetz zu weit. Ich vermisse eine vertiefte ethische Debatte über die Fortpflanzungsmedizin.

Wir müssen auch über Designerbabys reden

Um es richtig zu verstehen: Es geht mir in keiner Art und Weise um die Grundsatzfrage der fortpflanzungsmedizinischen Forschung. Doch diese Forschung muss ethisch vertretbar sein. Dies ganz besonders im Zusammenhang mit den Möglichkeiten einer Genmanipulation. Denn wenn wir über Fortpflanzungsmedizin sprechen, können wir nicht nur die Forschung gegen Krankheiten thematisieren, sondern müssen auch über „Designerbabys“ reden. Es ist ethisch nicht vertretbar, dass es Bestrebungen gibt, bald ein „Kind nach Mass“ bestellen zu können. Dies wäre klar ein weiterer, besorgniserregender Schritt auf einem falschen Weg für die Menschheit. Die Zulassung der PID, wie auch das FMedG zielen aber in diese Richtung und setzen damit für eine humane Gesellschaft falsche Signale.

Es ist klar die Aufgabe der Politik und der Gesellschaft, Menschen mit einer Behinderung in den Alltag zu integrieren und nicht sie zu verhindern oder gar eliminieren zu wollen. Daher sage ich klar NEIN zum Fortpflanzungsmedizingesetz.