14.10.2015 Artikel Klima & Umwelt

Schweiz zur Nr. 1 in Europa machen

Vernetzung und Digitalisierung der nationalen Infrastrukturen Die Schweiz ist Spitze! Die Gründe: Ein hoher Sicherheitsstandard, Rechtsstaatlichkeit, ein hohes Bildungsniveau, Wirtschafts- und Forschungsfreiheit und ein hervorragendes nationales Infrastrukturnetz. Für die Zukunft braucht die Schweiz aber mehr. Es braucht eine vernetzte Schweiz; eine „Schweiz 4.0“.

Heute sind wir Europameister in Sachen Innovation und Weltmeister bei der Wettbewerbsfähigkeit. Aber der Druck auf den Werkplatz Schweiz wird stärker: Frankenstärke; Migration; unser Verhältnis zur EU; zunehmend härterer Wettbewerb mit anderen Produktionsstandorten. Gleichzeitig kommen unsere im internationalen Vergleich sehr guten Infrastrukturnetze langsam in die Jahre und stossen an Kapazitätsgrenzen. Konzipiert wurden sie damals für weit weniger Menschen als heute in der Schweiz leben. Ob Bahn-, Strassen- oder Stromnetze – Engpässe nehmen zu. Zu Beginn des Autobahnbaus beispielsweise waren es fünf Millionen Menschen und etwa 500 000 Personenwagen. Heute sind es über acht Millionen und fast sechs Millionen motorisierte Strassenfahrzeuge. Entsprechend hoch sind heute die Staustunden von über 21 000 Stunden pro Jahr. 

Als Folge von Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums ist der Gesamtverbrauch an Energie in den letzten 25 Jahren um fast 13 Prozent gestiegen – auf über 30 000 Kilowattstunden pro Jahr und Person. Davon sind rund 36 Prozent Erdöltreibstoffe und rund 25 Prozent Strom. Unsere Infrastruktur ist somit täglich stark ausgelastet. Für Ausbauten wird es jedoch immer enger. Um aber als Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben, brauchen wir neue Ansätze: Können wir die bestehenden beziehungsweise geplanten Infrastrukturen besser nutzen? Ja, mit intelligenter Vernetzung!

Die Schweiz ist gut aufgestellt

Im Bereich der digitalen Infrastruktur hat die Schweiz eine hervorragende Ausgangslage. Im Network Readiness Index 2014 liegen wir weltweit auf Platz sechs. Gegen 90 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer zwischen 16 und 74 Jahren nutzen das Internet mindestens einmal pro Woche. 80 Prozent der Internet-Nutzenden sind zu Hause über ihren Computer online, rund 50 Prozent gehen über den Computer am Arbeitsplatz ins Internet, und rund 40 Prozent der Bevölkerung surft dank der smarten Handys von unterwegs im Internet. 

Mehrwert durch Vernetzung

Wir haben die einmalige Chance, die Schweiz zur Nr. 1 in Europa zu machen. Zum Standort für Datencenter und Datensicherheit und für Daten-Hubs mit Vernetzung und umfassender Digitalisierung. Dazu brauchen wir eine Infrastrukturstrategie für eine Internet-basierte Schweiz 4.0. Wir brauchen Hochgeschwindigkeits-Internet-Anschlüsse, IT-Technologie zur Energiesteuerung via Smart-Grids, smarte Häuser, die uns das Heizen, Beleuchten oder das Abschalten von Geräten etc. abnehmen. Diese Wachstumschancen gibt es fast in jedem Sektor der Wirtschaft und wir sollten diese forcieren. Denn der Mehrwert der Digitalisierung der Schweiz entsteht durch deren Vernetzung. Die nationalen Infrastrukturen lassen sich so noch effizienter nutzen und besser koordinieren. Beispielsweise

  • in der Energieversorgung und im Energiemanagement bis in den privaten Bereich hinein,
  • bei der Steuerung der zunehmenden Verkehrsflüsse und um die Verkehrsspitzen zu brechen, 
  • bei der just-in-time Belieferung von Grossverteilern und Warenhäusern, 
  • mit der „Work Smart Initiative“ grösserer Schweizer Unternehmen (u. a. Post, SBB, Swisscom, SRG). Würden 450 000 Arbeitnehmende in der Schweiz einmal pro Woche zuhause statt im Büro arbeiten, könnten damit laut BAFU wöchentlich rund 4,5 Mio. Autokilometer und 2,6 Mio. Personenkilometer im öffentlichen Verkehr eingespart werden oder
  • im Gesundheitswesen mit der Patientenkarte.

Die Vorteile einer Vernetzung liegen auf der Hand: ein 24-Stunden-Schalter, das papierlose Büro; keine Leerzeiten wegen langen Arbeitswegen, weniger Stau auf Autobahnen und weniger Sitzplatzmangel im öffentlichen Verkehr und damit mehr Lebensqualität für alle.

Strategie für eine Informationsgesellschaft

Dafür entwickelt der Bundesrat eine Strategie für eine Informationsgesellschaft Schweiz von morgen. Aber wir müssen vorwärts machen, denn andere Staaten wollen dieses Rennen auch gewinnen. Wir müssen vorwärts machen, damit die Arbeitsplätze in der Schweiz bleiben. Auf einer sehr praktischen Ebene leistet der Bund bereits einen Beitrag zum Internet: Im September werden wir die Internetdomäne .swiss eröffnen. Sie soll der Welt ein Schaufenster in die Wirtschaftskraft und Ideenwelt der Schweiz bieten. Wir lancieren .swiss für die innovative Schweiz, für die zukunftsgerichtete Informations-Gesellschaft unseres Landes. Das Motto ist: Ist Schweiz drin, gehört .swiss dran!

Bei diesen Zukunftsperspektiven gilt es zwei grundsätzliche Punkte nie zu vergessen. Einerseits die Gefahren: Vernetzte Systeme sind mit ihren wechselseitigen Abhängigkeiten anfällig für Cyber-Kriminalität und damit für Kettenreaktionen. Dort, wo die Sicherheit auf dem Spiel steht, brauchen wir gesicherte Anlagen, geschützte Netze und informierte Bürger. Anderseits Eigeninitiative und Subsidiarität: Der Staat sollte nicht der erste Adressat für Forderungen sein. Die Rolle der öffentlichen Hand ist stets zu hinterfragen. Gefordert sind im Bildungswesen die Schulen, um Fachkräfte heranzubilden, auf Chancen und Risiken hinzuweisen und eine digitale Zweiklassengesellschaft zu verhindern. Wirtschaftsverbände und Unternehmen müssen ihren Strukturen umbauen, um den grösstmöglichen Nutzen für die Menschen und den Wirtschaftsstandort Schweiz aus der Digitalisierung zu erwirtschaften. Die Nutzer selber sind aufgerufen, die Chancen der neuen Technologien offen und vernünftig anzupacken.