11.09.2015 Artikel Bildung & Forschung

Stopp mit der Sklaventreiberei!

Die derzeitige Praktikumssituation in der Schweiz ist alarmierend. Praktikanten sind nicht nur deutlich unterbezahlt, sie sind zudem auch nicht abgesichert. Der ursprüngliche Sinn eines Praktikums, wie auch die Anerkennung der Praktikanten, sind verloren gegangen. Diese Missstände möchte die JCVP Aargau umgehend ändern und lanciert dazu ein Manifest.

Praktikanten sind häufig nicht an einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) gebunden und somit arbeitsrechtlich nicht abgesichert. Sie werden demnach eher von den Firmen als „Mittel zum Zweck“ gesehen. Deshalb sind sie auch deutlich unterbezahlt und vernachlässigt. Dies machte ein Artikel in der Schweiz am Sonntag vom vergangenen 16. August deutlich, in dem die desaströse Praktikumssituation im Coop Pronto aufgezeigt wird. Zudem sind die Praktikanten oft auch nicht durch die Firma versichert, was eine ungenügende sozialrechtliche Absicherung nach sich zieht. Hinzu kommen noch die nicht angeleiteten Praktika, welche den Praktikanten bei ihrer Arbeit vollkommen sich selbst überlassen und demnach nicht geformt oder geschult werden.

Situation nicht weiter annehmbar

Für die JCVP Aargau ist klar, dass eine derartige Situation nicht weiter annehmbar ist. Das ursprüngliche Ziel eines Praktikums muss wieder im Fokus stehen. Dieses besteht nämlich darin die Vielfalt der Berufe kennenzulernen und die Realität des Arbeitslebens nachzuempfinden. In der Schulzeit dienen sie als Entscheidungshilfe für die Berufswahl, nach dem Schulabschluss oftmals als Vorstufe für den anschliessenden Einstieg in den Beruf und berufsbegleitend als Vertiefung der Berufskenntnisse, sowie als Weiterbildung.

Praktika als Chance

Damit dieser Sinn auch wieder zum Tragen kommt, fordert die JCVP Aargau in ihrem Manifest den sofortigen Stopp der Sklaventreiberei. Praktikanten müssen von Unternehmen mehr wertgeschätzt und als Chance gesehen werden. Es ist nämlich erwiesen, dass Praktika den Anreiz deutlich erhöhen einen Beruf zu erlernen oder sich weiterbilden zu lassen. Zudem verringert sich durch ein vorhergehendes Praktikum die Anzahl Ausbildungsabbrüche und der Arbeitslosen. Dies ist im Sinne von Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Zwingend ist eine Absicherung auf arbeitsrechtlicher Ebene, indem ein GAV zum Zuge kommt, sowie auf sozialrechtlicher Ebene, indem jeder Praktikant im Falle eines Arbeitsunfalls versichert ist, anzustreben. Auch sollen mehr Praktikumsplätze angeboten werden. Schulen sollen aktiv die Verbindung zu Unternehmen schaffen, welche Plätze anbieten. Zudem soll es für Menschen mit schwächerer Schulbildung einfacher sein über ein Praktikum eine Anlehre zu machen. Diese Forderungen sind ohne oder mit minimaler staatliche Hilfe in Eigenverantwortung eines Unternehmens umzusetzen. Die Jugend ist der zukünftige Mittelstand und so müssen bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Autor

Raphael Zimmerli

Text Nationalratskandidat und Vorstandsmitglied (Medienverantwortlicher) der JCVP AG

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