10.09.2015 Artikel Bildung & Forschung Bildung, Wahlkampf

Sackstarke Jugend ins Bundesparlament!

Für was engagieren Sie sich? Warum verbringen Sie Ihre Zeit damit, Unterschriften zu sammeln, Standaktionen zu organisieren oder Versammlungen zu besuchen? Die JCVP hat sich diese Fragen auch gestellt. Wir haben Bildung als ein Kernthema im aktuellen Wahlkampf ausgewählt.

Als 18-jähriger Student habe ich erstens ein Interesse daran, dass das Bildungsangebot in meinem Land von hoher Qualität ist und zweitens, dass dieses nachhaltig finanziert ist. Aber was bedeutet qualitativ hochwertige Bildung? Bildung heisst das Entdecken dessen, was ausserhalb von meinem eigenen Denkmuster liegt; beseelt zu sein von meiner Neugierde, mehr zu erfahren und mehr zu entdecken. Bildung bedeutet, den Blick über den eigenen intellektuellen Tellerrand zu wagen. Bildung heisst denken und denken kann man nur dort, wo uns der Freiraum dazu gelassen wird.

Wünsche zur Bildungspolitik

Ich wünsche mir eine Bildungspolitik, die den Mut hat nicht alles bis ins kleinste Detail zu regeln, sondern den Lehrpersonen Vertrauen zur Eigeninitiative und Gestaltung schenkt. Ich wünsche mir ein Bildungssystem, das nicht Millionen in Harmonisierungsexperimente à la Lehrplan 21 investiert, sondern die Mittel dort einsetzt, wo es sie auch braucht. Ich wünsche mir eine Bildungspolitik, bei der Föderalismus und Subsidiarität keine Fremdwörter sind, sondern als Chance bejaht werden. Ich wünsche mir ein Bildungssystem, bei dem ich nicht in arbeitsmarktgesteuerte Kompetenzschablonen hineingepresst werde, sondern in dem ich meine eigene Persönlichkeit entfalten darf. Ich wünsche mir eine Bildungspolitik, die nicht nur reglementiert, normiert, indoktriniert, sondern vor allem Raum schafft für Neugierde und Innovation. Ich wünsche mir weiterhin ein Bildungswesen, bei dem akademische und praktische Bildung Hand in Hand zum Erfolg der Schweiz beitragen.

Totsparen sieht anders aus

Was heisst finanzierbare Bildung? In der bildungspolitischen Debatte hält sich der Mythos von der angeblich totgesparten Bildung hartnäckig. Der Kanton Luzern und seine Gemeinden haben 1990 rund 370 Millionen Franken für die obligatorische Schule ausgegeben. Heute sind es 800 Millionen. In der Hochschulbildung sind die Ausgaben im gleichen Zeitraum von 80 auf 225 Millionen angestiegen. Totsparen sieht anders aus. Gleichzeitig drohen die Rechnungsabschlüsse vieler Kantone rot bis tiefrot zu werden. Ob wir es hören wollen oder nicht, an einer Konsolidierung des Ausgabenniveaus auch im Bereich Bildung führt kein Weg vorbei. Ein Lockern der Schuldenbremse auf dem Rücken von kommenden Generationen ist und darf dabei keine Alternative sein.

Mehr Mittel heisst nicht mehr Qualität

Als Gymnasiast bin ich in vielerlei Hinsicht privilegiert. Wieso soll ich also nicht auch einen Beitrag zur finanzpolitischen Gesundheit der öffentlichen Hand leisten? Die Höhe der investierten Mittel korreliert im Bildungswesen nicht mit der Qualität. Darum gilt es, intelligente Austeritätsmassnahmen sorgfältig zu prüfen und allenfalls zu implementieren. Die Reorganisation unserer zahlreichen dezentralen Schulstandorte, eine intensivierte Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft, das Drosseln des Reformtempos – all das und mehr muss Gegenstand der finanzpolitischen Debatte sein dürfen.

Meine Vision von Bildung beinhaltet sowohl Qualitätsaspekte als auch finanzpolitischer Pragmatismus. Für dies setz ich mich ein, für dies engagiere ich mich als Mitglied der JCVP.

Autor

Till Haechler

Text Gründungsmitglied des Jugendparlaments Luzern

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