09.09.2015 Artikel Sozialwerke Rentenalter, AHV

Gut gemeint reicht noch lange nicht!

Kürzlich hat der Bundesrat Stellung genommen zu meinem Postulat betreffend „Weiterbeschäftigung nach Erreichen des Rentenalters“, womit ich explizit fordere, dass Bundesangestellte auch länger als 65 (resp. 64 bei Frauen) arbeiten können. Der Bundesrat stellt richtigerweise fest, dass die rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind und auch formal eine Weiterbeschäftigung bis 70 ohne Probleme möglich ist – es braucht lediglich das Einverständnis des Arbeitgebers und des Vorgesetzten.

So weit so gut. Doch warum sind es denn erst 74 Personen beim ganzen Bund, die länger arbeiten? Am Willen der Angestellten kann es nicht liegen – will doch schweizweit rund ein Fünftel aller Angestellten länger arbeiten, wie der Arbeitgeberverband festgestellt hat.

Meiner Meinung nach liegt es daran, dass man sich beim Bund der Tatsache schlicht nicht bewusst ist, dass Angestellte auch länger arbeiten können. Und so leitet man beim Erreichen des Pensionsalters automatisch die nötigen Schritte zur Pensionierung ein – wohlgemerkt in einer Zeit, in der wir an allen Ecken und Enden einen Fachkräftemangel haben. Aus diesem Grund braucht es dringend eine Flexibilisierung des Rentenalters beim Bund, natürlich nur für jene, die dies auch wirklich wollen und ihr Fachwissen gerne weiter einbringen möchten. Es muss zur Regel werden, dass Bundesangestellte weiterarbeiten oder auch früher pensioniert werden und dafür reicht ein wenig Aufklärung nicht. Das ist heute zu wenig. Die ganzen Prozesse müssen so angepasst werden, dass sie nicht automatisch mit Erreichen des Rentenalters in Gang gesetzt werden sondern dann, wenn der Angestellte, der Vorgesetzte und der Arbeitgeber dies wünschen. Rechtzeitige Information und Gespräche sind gefordert, das gehört zu einem guten Management. Das darf man von einem der grössten Arbeitgeber in der Schweiz verlangen.

Gesellschaft wird sich in Richtung flexibles Rentenalter entwickeln

Ich hoffe, der Bundesrat hat diese Botschaft verstanden und setzt sich dafür ein, dass Bundesangestellte flexibel in Rente gehen können. Es würde uns allen nützen: den Angestellten selbst, dem Bund als Arbeitgeber und uns Bürgerinnen und Bürgern als Finanzierende eines effizienten Staates, der seine Stärken ausnützt. Denn eines ist sicher: Die Gesellschaft wird sich in Richtung flexibles Rentenalter entwickeln. Die Frage ist nur, ob unsere Institutionen dies erkennen und mit der Entwicklung Schritt halten können oder nicht.