27.05.2015 Artikel Bildung & Forschung Lehrlinge, Unternehmen, Baubranche, Arbeitsgesetz

Jugendliche sollen in allen Branchen „schnuppern“ können

Nationalrat Markus Lehmann fordert in seiner Motion, dass auch Betriebe mit potenziell gefährlichen Arbeiten – wie zum Beispiel Schreinereien oder Unternehmen des Baugewerbes – „Schnupperlehrlinge“ beschäftigen können, ohne dass diese bei einem Unfall das volle Risiko tragen müssen.

Für Jugendliche gelten besondere Arbeitsschutzbestimmungen. In der Verordnung zum Arbeitsgesetz wird dies beispielsweise unter den Punkten „Besondere Tätigkeiten“ und „Gefährliche Arbeiten“ für Jugendliche geregelt. Ausgenommen davon sind Arbeiten von Personen mit einem Lehrvertrag, unter Anleitung und Betreuung, ab dem 15. Altersjahr. Da für „Schnupperlehrlinge“, die für eine oder zwei Wochen in einen Betrieb hineinschauen, kein Lehrvertrag abgeschlossen wird, sind sie nicht durch diese Ausnahmen abgesichert.

Keine Benachteiligung von gewissen Branchen

Dies benachteiligt Betriebe, die potenziell gefährliche Arbeiten anbieten. Beispielsweise für Schreiner-Unternehmen oder Betrieb aus dem Baugewerbe. Ihnen ist es nicht möglich, Jugendliche ihren Beruf richtig und in allen Facetten näherzubringen, da "eigentlich" gefährliche Arbeiten für die Schnupperlehrlinge in jedem Fall verboten sind. Auch wenn das Unternehmen noch so sorgfältig vorgeht: Unfälle können immer passieren. Und dann trägt der Unternehmer die volle Verantwortung mit allen Kostenfolgen. Ungeklärt bleibt, ob die SUVA eine Unfalldeckung gewährt, obwohl gegen eine Verordnung im Arbeitsgesetz verstossen wird. Ein Regress auf den Unternehmer durch ein solches „Fehlverhalten“ ist aber sehr wohl möglich.

Antrag: Anpassung des Arbeitsgesetzes

Mit dieser Motion soll der Bundesrat beauftragt werden, eine Anpassung des Arbeitsgesetzes vorzunehmen mit einer Ausnahmeklausel für „Schnupperlehrlinge“. Damit werden künftig die gesetzlichen Regelungen eingehalten und alle Betriebe können Jugendliche auf ihre Eignung testen und ihnen einen realitätsnahen Einblick in ihre Branche geben.