08.01.2015 Artikel Migration Initiative, Landwirtschaft, Arbeitsmarkt

Auch die Wirtschaft ist gefordert

Am 9. Februar 2014 hat das Schweizer Volk die Masseneinwanderungsinitiative angenommen. Auch wenn der Entscheid knapp ausfiel, gilt es das Ergebnis zu respektieren und sorgfältig umzusetzen. Dies wird kein einfaches Unterfangen sein. Auf der einen Seite gilt es im Gesetzgebungsprozess innenpolitisch Mehrheiten zu finden, zum andern muss dieses Ergebnis mit unserem Verhandlungspartner der EU einer gemeinsamen Lösung im Rahmen der bilateralen Verträge zu geführt werden.

Die Wirtschaft hat und wird bei diesem ganzen Prozess ihre Bedürfnisse betreffend den benötigten Arbeitskräften anmelden. Diese Interessen müssen vor dem Hintergrund der Bedeutung einer funktionierenden Volkswirtschaft angemessen gewichtet werden. Die Schweizer Wirtschaft ist aber ebenfalls gefordert, einen Beitrag an eine erfolgreiche Umsetzung des Volksentscheides zu leisten. Mit der Initiative wurde explizit ein Inländervorrang bei der Stellenbesetzung in der Bundesverfassung verankert. Diese Bestimmung muss von der Wirtschaft nicht nur ernst genommen, sondern gelebt werden. 

Die Schweiz hat eine rekordtiefe Arbeitslosigkeit. Trotzdem gibt es auch in der Schweiz ein Potenzial an Menschen, die arbeitslos sind, Sozialhilfe beziehen oder auf dem Arbeitsmarkt aus verschiedenen Gründen weniger gefragt sind. Hier ist die Wirtschaft gefordert. Zugegeben, es braucht manchmal besondere Anstrengungen, die Integration in die Arbeitsprozesse zu begleiten und die Menschen täglich zu fordern und zu fördern. 

Die Schweizer Landwirtschaft möchte bei der erfolgreichen Umsetzung des Volksentscheides vom 9. Februar 2014 einen aktiven Beitrag leisten. Obwohl wir nur ein kleiner Teil der Volkswirtschaft sind, möchten wir im Rahmen unserer Möglichkeiten die Integration unterstützen. Zu diesem Zweck soll zusammen mit dem Staatssekretariat für Migration im Frühjahr 2015 ein Pilotprojekt zur Integration von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft gestartet werden. Wir gehen davon aus, dass in der Schweiz 14‘000 Menschen mit diesem Status leben, die heute keine Arbeit haben und eine Chance suchen. 

Auf einigen Höfen verteilt auf die Deutsch- und Westschweiz soll das Pilotprojekt gestartet werden. Wichtig ist, dass ein solches Pilotprojekt fachlich gut begleitet wird und die Arbeitskräfte sorgfältig ausgewählt werden. Die Tätigkeit in der Landwirtschaft ist anspruchsvoll, eignet sich aber für die Integration und den Start ins Berufsleben in der Schweiz gut. Entscheidend ist, dass die Interessentinnen und Interessenten arbeitsfähig und arbeitswillig sind. Zudem muss eine minimale Kommunikation in einer Landessprache gewährleistet sein. Die Betriebsleiter der ausgewählten Betriebe müssen über eine hohe Sozialkompetenz verfügen, damit die Integration gelingen kann.

Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ist eine grosse Herausforderung für unser Land. Wir können aber auch das Positive sehen. Wenn ein Umdenken in der Wirtschaft stattfindet, dass ältere Mitarbeiter mit ihrer grossen Erfahrung ein Schatz sind, dem Sorge getragen werden muss und Frauen, gerade nach der Kinderpause ein wertvolles Potenzial sind, das gefördert werden muss, ist ein wichtiger Schritt getan. 

Modelle, mit denen anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen in unsere Arbeitswelt integriert werden können, sind im Interesse dieser Menschen und unserer Volkswirtschaft. Bei all diesen Anstrengungen soll jeder Teil der Wirtschaft einen Beitrag nach seinen Möglichkeiten leisten. Gemeinsam können wir viel erreichen und der Bevölkerung zeigen, dass wir Volksentscheide und viele in der Bevölkerung vorhandene Sorgen ernst nehmen.