09.01.2009 Artikel Aussenpolitik

Die Personenfreizügigkeit ist für die Privatversicherer existenziell!

Die Schweizer Privatversicherer beschäftigen derzeit in der Schweiz 47"500 Personen. Davon sind rund 15% ausländischer Herkunft, meist aus den Nachbarstaaten der Schweiz sowie dem übrigen EU-Raum. Viele davon sind Spezialisten/Innen, die auf dem Schweizer Arbeitsmarkt kaum zu finden sind, obwohl die Schweizer Assekuranz enorme Anstrengungen im Bildungsbereich unternimmt und die höhere Berufsbildung in den letzten Jahren komplett neu geordnet hat. Eine kurzfristige wesentliche Erhöhung der Zahl der Schweizer Spezialisten/Innen ist nicht in Sicht.

Die Schweizer Privatversicherer beschäftigen derzeit in der Schweiz 47"500 Personen. Davon sind rund 15% ausländischer Herkunft, meist aus den Nachbarstaaten der Schweiz sowie dem übrigen EU-Raum. Viele davon sind Spezialisten/Innen, die auf dem Schweizer Arbeitsmarkt kaum zu finden sind, obwohl die Schweizer Assekuranz enorme Anstrengungen im Bildungsbereich unternimmt und die höhere Berufsbildung in den letzten Jahren komplett neu geordnet hat. Eine kurzfristige wesentliche Erhöhung der Zahl der Schweizer Spezialisten/Innen ist nicht in Sicht.Da Versicherungen als Ganzes sehr komplex und sehr technisch-mathematisch ausgerichtet sind, kann auf dieses Spezialistenwissen unter keinen Umständen verzichtet werden. Und die Komplexität wird aufgrund der gesteigerten, teilweise sehr individuellen Kundenbedürfnisse, der kontinuierlichen Neu- und Ueberregulierung sowie der internationalen Ausrichtung nicht geringer.

Es ist deshalb kein Zufall, dass sich die private Versicherungswirtschaft der Schweiz mit Entschiedenheit für die Weiterführung des Abkommens über die Personenfreizügigkeit sowie dessen Ausdehnung auf Rumänien und Bulgarien ausspricht.

Keine mutwillige Schwächung provozieren

Ein Nein hätte weit gehende negative Folgen und würde die heutige hohe volkswirtschaftliche Bedeutung der Assekuranz schwächen. Denn immerhin hat sie die höchste Produktivität von allen Branchen in der Schweiz und trägt damit wesentlich zu Wachstum und Wohlstand bei. Die ganze Finanzbranche beschäftigt rund 6 Prozent der Arbeitskräfte und generiert rund 10% des Steueraufkommens. Es  wäre fatal, in einer Zeit der wirtschaftlichen Rezession mutwillig eine weitere Schwächung der Wirtschaft zu provozieren.

Konstruktivität als Gewinn

Vergessen werden darf aber auch nicht der gesamtpolitische Zusammenhang. Die Schweizer Versicherungswirtschaft ist auch als "Exportwirtschaft" zu betrachten, welche rund zwei Drittel ihres Prämienvolumens im Ausland, zu einem wichtigen Teil in der EU, erwirtschaftet (rund 110 Mia. Franken im Ausland gegenüber rund 52 Mia. Franken in der Schweiz). Die Internationalisierung bzw. Globalisierung der Assekuranz hat also längst stattgefunden. Das bedeutet aber auch, dass die Schweizer Versicherungswirtschaft und mit ihr die Schweiz stark von EU-Gesetzgebung beeinflusst wird.

Als Nicht-EU-Mitglied muss die Schweiz auf indirektem Weg Einfluss auf Gesetzesprojekte der EU nehmen, damit diese einigermassen auch schweizerische Bedürfnisse berücksichtigen. Im Versicherungsbereich bestehen derzeit gleich mehrere EU-Regulierungsprojekte, die auf die Schweizer Versicherungswirtschaft grossen Einfluss haben werden. Bisher war die Zusammenarbeit mit den EU-Behörden konstruktiv. Den Schweizer Anliegen wurde im Grossen und Ganzen viel Verständnis entgegengebracht. Im Falle eines Nein würde sich das Verhältnis zwangläufig abkühlen, die Situation würde schwieriger, die Wirtschaft würde mit Sicherheit (unnötige) Nachteile erleiden. Denn die neuen EU-Mitglieder haben im Gegensatz zu unsern Nachbarländern weniger Verständnis für unsere Belange. Auch deshalb plädiert die Schweizer Assekuranz beherzt für ein Ja zur Personenfreizügigkeit.