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Familienartikel: Das Glossar

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U wie Umfrage. Wäre am 20. Februar 2013 über den Familienartikel abgestimmt worden, hätten sich 55 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer dafür ausgesprochen. Das macht zwei Wochen vor der Abstimmung grundsätzlich Hoffnung, wenn nicht zwischen der letzten gfs-Umfrage und der jetzigen der Anteil der Befürworter stark gesunken wäre. Der Anteil von 55 Prozent JA-Stimmen zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber er zeigt noch mehr, dass wir kämpfen müssen bis zum 3. März.

P wie Panikmache. Die sinkende Zustimmung ist sicher auch auf die Panikmache zurückzuführen und eine millionenschwere Panikkampagne. Kinder mit Hundemarken in den Ohren heulen hinter Gitterstäben und Kosten werden aufgelistet, als wären wir im Begriff, uns in der Dimension von Griechenland zu verschulden. Das Geld für die Kampagne hätte man doch auch für die Familien verwenden können.

V wie Vereinbarkeit. Noch 25 Prozent aller Familien leben das klassische Einverdiener-Familienmodell. Alle anderen vereinbaren Beruf und Familie. Der neue Familienartikel wird dieser Tatsache gerecht und will der Zeit angepasste Rahmenbedingungen für die Familien in der Verfassung verankert haben. Im Wortlaut heisst es in Absatz 2 des neuen Artikels: Bund und Kantone fördern die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit oder Ausbildung. Die Kantone sorgen insbesondere für ein bedarfsgerechtes Angebot an familien- und schulergänzenden Tagessstrukturen. Das ist alles.

K wie Kosten in Milliardenhöhe. Der Artikel ist offen formuliert und es gibt keine kostenrelevanten Verpflichtungen. Der Staat soll die Vereinbarkeit fördern. Wie er das tut, bestimmt das zu 70 Prozent bürgerlich zusammengesetzte Parlament. Wenn die Gegner des Artikels von Milliardenkosten sprechen, müssten sie diese ja erst einmal selbst bewilligen. Ein bedarfsgerechtes Angebot an schulergänzenden Tagessstrukturen heisst beispielsweise angepasste Schulzeiten. Kostet keinen Rappen mehr. Es heisst beispielsweise Mittagstische. Wer sagt denn, dass sie der Staat bezahlen muss? Bessere Vereinbarkeit von Familie und Ausbildung heisst beispielsweise auch bessere Anerkennung der Familienarbeit beim Einstieg ins Erwerbsleben und die Entakademisierung gewisser Berufszweige. Kostet keinen Rappen mehr.

T wie Traditionelles Familienmodell. Wie gesagt: Ein Viertel aller Menschen in der Schweiz leben es noch. Alle anderen Elternpaare vereinigen in unterschiedlichen Pensen Erwerbstätigkeit und Familienarbeit. Nur weil erstmals auch Zweiverdienermodellen Rechnung getragen wird, heisst das doch nicht, dass damit der traditionellen Familienform weniger Achtung gebührt. Im Gegenteil: Wahlfreiheit heisst Schutz von allen Familienformen. Im Wortlaut des Artikels heisst es in Absatz 1: der Bund berücksichtigt bei der Erfüllung seiner Aufgaben die Bedürfnisse der Familie. Er kann Massnahmen zum Schutz der Familien unterstützen. Darauf können sich die Anhänger der traditionellen Familienform ebenso berufen wie die Anhänger der Vereinbarkeit auf Absatz 2.

Z wie Zwangsarbeit. Daraus folgt, dass niemand vom Staat gezwungen ist einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, wenn er das nicht möchte. Gezwungen ist er höchstens aus wirtschaftlichen Gründen, weil ein Einkommen für die Familie nicht ausreicht.

E wie Einmischung. Erziehung ist Privatsache. Eltern entscheiden, wie Kinder erzogen werden. Wenn wir uns schon ärgern über den Staat, dann über die Tatsache, dass es nirgendwo in der Welt so schwierig ist wie in der Schweiz, diese eigene Entscheidung auch durchzusetzen. Der Staat hat uns in der Schweiz ein klares Familienmodell diktiert. Es ist ein Disziplinierungsmodell. Anhand der Steine, die man uns Müttern in den Weg legt, sollen wir merken, dass der Weg, den wir gehen, eigentlich nicht in Ordnung ist.

B wie Bildung. Seit längerer Zeit werden Frauen auch ausgebildet. Resultiert ist ein Frauenanteil an Universitäten, welcher denjenigen der Männer um drei Prozent übertrifft. In der Berufswelt wird das jedoch schnell wieder korrigiert, die hochgebildeten Absolventinnen widmen sich der Familienarbeit und die fehlenden Fachkräfte werden aus dem Ausland geholt. Ein an sich ökonomischer Unsinn, dem entweder durch bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit begegnet werden könnte oder zynischerweise, indem man die Frauen besser gar nicht erst ausbildet.

M wie Mutter Martullo und Mutter Blocher. Mutter Martullo leitet die EMS-Chemie, einen Weltkonzern. Mutter Blocher wiederum ärgert sich darüber, dass man heutzutage die Kinder nur noch am Abend und am Wochenende selbst betreuen möchte. Ganztagesbetreuung gaukle Eltern vor, sie könnten ihre Erziehungsverantwortung an der Krippentüre abgeben. Den Mutter-Tochterkonflikt können wir nicht lösen, doch wenn er schon öffentlich ausgetragen wird, würde uns ein beruhigendes Wort aus der EMS-Chemie helfen. Gibt es denn Probleme mit den Kindern?

I wie Inkohärenz. Eine Hardcore-Gegnerin des Familienartikels und Nationalrätin leitet eine private Kinderkrippe und fürchtet die Einführung von staatlichen Kinderkrippen durch den Familienartikel. Selber hat sie jedoch eine grosszügige Anschubfinanzierung vom Staat kassiert. Nicht überall also, wo privat draufsteht ist kein Staat drin. 

Kontakt

Marianne Binder
Kommunikationschefin CVP Schweiz
Mobil: 079 686 01 31

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Thema: Abstimmungen

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